Tag-Archiv | UNPOL

Machtmissbrauch und sinnlose Gewalt

Jean-Fabrice Koné Dossongui und seine Frau Amenan N´guessan in dem Wottro

Noch vor einigen Tagen war Jean-Fabrice Koné Dossongui für die Ivorer komplett unbekannt. Leider hat sich das für ihn auf dramatische Weise geändert.
Jean Fabrice hat vor einigen Wochen (14. Juli) geheiratet. Da das Auto, das ein Freund ihm und seiner Frau Amenan Nguessan zur Verfügung zu stellen versprochen hatte  nie kam, entschied seine Frau, dass sie mit einer „Wottro“ fahren sollten. Wottros sind Holzkarren, die eigentlich benutzt werden, um Sachen zum Markt zu transportieren (meist Obst und Gemüse). Sie werden durch menschliche Kraft geschoben.
Alain Toussaint ein ehemaliger Berater von Laurent Gbagbo, bekam das Bild durch einen Freund zu sehen und fand es „rührend, außergewöhnlich“ und total originell. Er richtete also einen Appel, an die Facebooknutzer. Er wollte das Paar kennenlernen und ihnen ein kleines Geschenk zukommen lassen.
Er fand es tatsächlich und kündigte das über Facebook an. Er erzählte, dass er es geschafft hatte mit dem Paar in Kontakt zu treten. Jean-Fabrice Dossongui hätte sich gefreut, dass er ihn anruft, weil er und seine Frau davor das Gespött, der Leute gewesen wären.
Aber mit diesem Facebook-Eintrag fing der Ärger für Jean-Fabrice an. Nachdem er von einem Internetcafé-Betreiber denunziert worden war, wurde Jean-Fabrice am 11. August gegen 8 Uhr von zwei Männern aufgesucht, die ihn über sein Leben, seinen Kontakt zu Alain Toussaint, zu Gbagbos Milizen usw. befragten. Er befand sich zu dieser Zeit in Yamoussokro, wo er Ferienkurse unterrichtete. Er versuchte ihnen klar zu machen, dass er gerade erst Alain Toussaint über Facebook kennengelernt hatte, aber sie wollten davon nichts wissen. Sie versuchten ihn mitzunehmen, aber da die andere Bewohner sich dagegen stellten, ließen sie davon ab, konfiszierten aber sein Handy. Nach diesem unerfreulichen Besuch, überkam Jean-Fabrice die Angst. Um sein Leben fürchtend, entschied er sich am selben Tag zu seiner Familie nach Gagnoa zurückzukehren und verlies Yamoussoukro. Eine Woche später, am Freitag den 17. August tauchten dieselben Männer gegen 22 Uhr in Gagnoa auf. Sie waren in Begleitung des Freundes von Jean-Fabrice (ein Lehrer), der ihn in Yamoussoukro während seines Aufenthaltes untergebracht hatte. Die Männer, die bewaffnet waren, nahmen Jean-Fabrice mit. Um das Leben von Jean Fabrice besorgt, und da er sich verantwortlich fühlte kündigte Alain Toussaint dies über Facebook an. Die Männer, die ihn mitgenommen hatten, hatten sich als Mitglieder der republikanischen Garde (Garde Républicaine) ausgegeben, und ihn nach Yamoussoukro mitgenommen, wo seine Frau und einige Familienmitglieder mittlerweile eingetroffen waren.
Am 19. verkündete Alain Toussaint das über Facebook und dass er Kontakt zum UNO-Repräsentanten in der Elfenbeinküste (ONUCI) aufgenommen hatte, um ihm Jean-Fabrice Fall zu schildern.
Am Montag den 20. August, wurde Jean-Fabrice, in den frühen Morgenstunden von Dorfbewohnern in der Nähe der Militärschule von Zambakro gefunden. Er befand sich in einem schlimmen Zustand und war offensichtlich gefoltert worden. Sein rechter Oberschenkel war gebrochen, ein Auge war in Mitleidenschaft gezogen und er trug überall Verletzungen: auf dem Rücken, auf den Rippen, im Genitalbereich. Sie stammten von Gewehrkolben, Armeestiefel und Holzstück mit denen seine Entführer ihn misshandelt hatten.
Wäre nicht die UNO-Polizei (UNPOL) gewesen, die nach ihm gesucht hatte – sobald sie am Sonntag 19.August –informiert worden waren, und die Mobilisierung der Facebook-Gemeinschaft, wäre es um ihn noch schlimmer gegangen.
Jean-Fabrice ist nur ein Beispiel, was in der Elfenbeinküste im Moment vorgeht. Wer weiß was aus ihm geworden wäre, wenn die Facebook Gemeinschaft sich nicht für ihn so stark eingesetzt hätte? Er wäre mit großer Wahrscheinlichkeit gefoltert und ermordet worden. So ist zur Zeit das Leben in dieser „demokratischen“ Elfenbeinküste von Alassane Ouattara.

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