Tag-Archiv | Sylvia Gurmendi

Die Ivorer in Den Haag

19.08.12

Seit Laurent Gbagbo, der ehemalige Präsident der Elfenbeinküste Ende November 2011 an Den Haag überstellt worden ist, ist diese Stadt für seine Anhänger ein beliebtes Reiseziel geworden. Viele meetings wurden von ihnen dort schon organisiert. Das letzte davon war am 13. August.
Am Montag 18. Juni 2012 hätte normalweise der Prozess von Laurent Gbagbo in den Haag beginnen sollen, aber auf Antrag seines Anwalts Maître Emmanuel Altit, wurde er zunächst auf den 13. August verschoben. Maître Altit klagte über mangelnde Zeit, um die Unterlagen durchzuarbeiten. Luis Moreno Ocampo, der noch bis Mitte Juni 2012 Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) in Den Haag war, hatte ihm erst Mitte Mai  mehr als 10 000 Seiten und 400 Video Material ausgehändigt. Laut maître Altit reichte die Zeit bis zum Prozessbeginn (am 18. Juni) nicht, um eine Überprüfung der Unterlagen durchzuführen, deshalb hatte er eine Verschiebung beantragt. Sein Antrag wurde am 12 Juni stattgegeben und der prozess zum 13. August verschoben. Ocampo der nicht gut auf  Gbagbo zu sprechen ist, wurde verdächtigt, den Verteidiger auf diese Weise austricksen zu wollen, indem er die Unterlagen so spät aushändigte.
Die Anhänger Laurent Gbagbos, die unbedingt den Prozessbeginn erleben wollten, hatten seit Dezember 2011 (Datum der Bekanntgabe des Prozessbeginns) angefangen sich zu organisieren, und eine Fahrzeugkolonne organisiert, damit so viele Menschen wie möglich die Reise nach Den Haag antreten konnten. Ein Zug war sogar geplant, der von der „Gare du Nord“ in Paris abfahren sollte. Aber dieses Projekt „le Train de la Liberté“ genannt, — der Zug der Freiheit–  wurde fallen gelassen. Denn zur Deadline Ende April hatten sich nicht genug Leute für diese Art der Reise entschieden.
Trotz der Verschiebung des Prozesses haben viele Leute sich an ihre Pläne gehalten und die Reise angetreten, so dass am 18. Juni eine Veranstaltung in Den Haag stattgefunden hat. Sie war zwar kleiner als die zuerst geplante, aber dennoch mit mehreren tausend Besuchern.
Wenn auch die meisten dieser Leute von der Elfenbeinküste stammten, waren auch andere Nationalitäten dabei. Sie waren von mehreren Ländern und Kontinenten angereist, wenn auch die Mehrheit von ihnen aus Europa und Amerika kamen. Einige Leute sind sogar aus dem Afrikanischen Kontinent angereist, wie diese Dame aus Guinea (Frau Cissé), die unbedingt dabei sein wollte , um eine Nachricht von  Aicha Koné, eine der erfolgreichsten Sängerinen der Elfenbeinküste, die im Exil in Conakry wohnt — weil sie Anhängerin Laurent Gbagbos ist– zu überbringen.
Wieviele waren sie? Das steht nicht fest. Da wie immer ein Krieg um die Zahl der Menschen tobt. AFP, die französische Nachrichten Agentur spricht von 1000, während andere Quellen  von 3000 bis 5000 Menschen sprechen.
Für den 13. August war ein „Dorf der Freiheit“ Le village de la Liberté in den Haag geplant. Die Ivorer aus verschiedenen Vereinen sind sehr aktiv, weil sie ihren Standpunkt über das Geschehen in der Elfenbeinküste geben möchten. Aus diesem Grund hat der „CRI-panafricain “(1) von Abel Naki eine „Karawane der Freiheit“ Caravane de la Liberté organisiert. Diese Karawane reist von Stadt zu Stadt in Frankreich, um die Menschen über die Lage in der Elfenbeinküste zu informieren. Da die meisten westlichen Regierungen Unterstützer des jetzigen Präsidenten Alassane Ouattara sind, werden kaum negative Nachrichten über ihn herausgebracht. Die Ivorische Gemeinschaft sieht  ihre Aufgabe darin, die Menschen über die Realität in der Elfenbeinküste zu informieren.
Am 3. August  wurde der Prozessbeginn  nochmal vertagt, weil die IstGH sich ein Bild des Gesundheitszustands von Laurent Gbagbo machen will. Er wurde laut seinem Anwalt misshandelt und gefoltert. Die IstGH hat den Prozess verschoben, da sie einen Erschöpfungszustand  festgestellt hat. Dieser kommt von der schlechten Behandlung, die er während seiner  Gefangenschaft im Norden der Elfenbeinküste (in der Stadt Korhogo) zu erdulden hatte. Es wurde kein neues Datum genannt, da die Richterin Silvia Fernández de Gurmendi von der IstGH eine Untersuchung seines Gesundheitszustandes angeordnet hat. Sie wartet zuerst auf den Bericht, um einen neuen Termin bekannt zu geben.
Trotz dieser zweiten Verschiebung haben hunderte Anhänger von Gbagbo die Reise nach Den Haag angetreten. Dieser Datumswechsel hat sie nicht entmutigt, da sie zwei Tage lang in Den Haag ihre Demonstration gehalten haben, deren Höhepunkt am Montag den 13. August war.

 

(1) CRI-panafricain: Congrès pour la Renaissance Ivoirienne et panafricaine wurde von Abel Naki gegründet