Tag-Archiv | ONUCI

11 April 2011-11April 2013: Hollande und Ouattara „feiern“, Gbagbos Anhänger trauern

Départ pour La Haye

marche européenne 13 avril 2013

einige Plakate der verschiedenen Veranstaltungen für den 11.April

11 AVRIL 2013 BASTILLE

 

 

Am 11. April 2011 wurde Laurent Gbagbo, ehemaliger Präsident der Elfenbeinküste, durch die  Bombadierung der ONUCI und der „Force Licorne“ gestürzt.
Genau zwei Jahre Später, treffen sich an diesem Tag François Hollande und Alassane Ouattara – der jetzige Präsident der Elfenbeinküste — in Paris. Für die Blogosphäre und die Oppositionellen Zeitungen ist der Fall klar: Die Wahl dieses Datums ist kein Zufall und der Grund ist nicht weit zu suchen: Hollande und Ouattara wollen Gbagbos Sturz gedenken, oder sogar feiern.Von Anfang an wurde Alassane Ouattara von einem Teil der ivorischen Bevölkerung als Präsidentschaftskandidat des Auslands angesehen. Viele westliche Länder, und vor allem Frankreich und die USA, durch Nicolas Sarkosy und Barack Obama, waren von Anfang an hinter ihm. Ihre diplomatische Neutralität kaum beachtend, machten sie manchmal keine Hehl aus ihrer Unterstütztung.
Da, seitdem er an der Macht ist, nicht alles so läuft wie seine Unterstützter es gerne hätten, hat eine Zeitung auch geschrieben, dass Hollande Alassane Ouattara eher bestellt hätte um ihm den Kopf zu waschen. Denn Alassane Ouattara, wird von vielen Menschen in der Elfenbeinküste, und auch in einigen Ländern des Afrikanischen Kontinent nur als Diener und  Marionette Frankreichs und der großkonzerne angesehen. In Manchen Ländern wie Kamerun wird seit seiner Machtübernahme, sogar der Name Ouattara — seinetwegen — als Schimpfwort benutzt.
Von der anderen Seite gedenken Gabgbos Unterstützer, die immer noch für seine Freilassung kämpfen, auch diesen Tag. Protestmarsche, Sit-in oder Konferenzen sind in den verschiedenen Ländern, meistens in Europa organisiert worden. Eine Gruppe von Demonstranten ist sogar in den Haag gefahren. Außerdem sprechen seit Tagen viele Blogs und Homepages über nichts anderes. Würdigungen von Gefangenen, oder getöten Soldaten, Erzählung von Zeugen sind an der Tagesordnung.
Trotz seiner Gefangenschaft, haben die Ivorer Laurent Gagbago nicht vergessen.

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Ein kleiner Sieg für Michel Gbagbo

michel-gbagbo

Michel Gbagbo: seit fast zwei jahre ist er im Gefängnis

Seit dem Sturz von Laurent Gbagbo, befindet sich sein ältester Sohn Michel Gbagbo (43) in den Händen der Regierung von Abidjan. Michel Gbagbo und einige andere Mitstreiter von Laurent Gbagbo wie z.B. Affi  N´Guessan, der Nummer zwei der FPI war, wurden nach Bouna, im Nordwesten der Elfenbeinküste verlegt.
Aber im Gegensatz zu Affi  N´Guessan und die anderen ist Michel Gbagbo kein Politiker. Er war bevor er festgenommen wurde, Professor an der Universität in Abidjan und Schriftsteller. Er wurde —laut Aussage des damaligen Justizministers Ahoussou Konan— nur festgenommen, weil er der Sohn von Laurent Gbagbo ist. Die Anwälte von Michel Gbagbo haben von Anfang an seine Freilassung verlangt. Da sie keinen Erfolg hatten, haben sie vor dem Gerichtshof der CEDEAO (1) (die Wirtschafliche Gemeindschaft der Westafrikanischen Staaten) geklagt. Zweimal hat dieser Gerichtshof die sofortige Freilassung von Michel Gbagbo angeordnet, aber die Regierung in Abidjan hat beide Male nicht reagiert.
Da Michel Gbagbos Mutter Jaqueline Chamois Französin ist, hat er auch durch sie, diese Staatangerhörigkeit. Sie hatte dadurch gehofft seine Freilassung zu erreichen. Aber sie hat unter den Regierungen von Nicolas Sarkosy und jetzt unter François Hollande, ohne Erfolg für seine Freilassung gekämpft. Keiner der beiden wollte ihr zur Hilfe kommen. Im Juni 2012 ist sie mit der Anwältin von Michel, Maître Habiba Touré, zum ersten Mal vor die Presse getreten. Damals wusste man nicht, ob Michel noch leben würde, da er in ein Krankenhaus in Abidjan eingeliefert worden war. Weil er Kontakt zu Niemandem  haben dürfte (auch zu den Anwälten nicht) musste sich seine Familie nur mit Gerüchten zufrieden geben. Und die erzählten nichts Gutes. Mittlerweile weiß man, dass er damals von einer giftigen Schlange gebissen worden war, und dringend medizinische Hilfe brauchte.
Die ONUCI (2), die das Gefängnis in Bouna in der Vergangenheit besichtigt hatte, verkündete in ihrem Bericht, dass die Gefangenen „Opfer von Misshandlungen waren“ und dass sie unter „menschenunwürdigen und erniedrigenden Bedingungen gefangenen gehalten wurden“. Aber diese Tatsache wurde nur festgestellt und nichts wurde unternommen.
Teilweise wurde sogar Bildmaterial der Gefangenen von Bouna, darunter Michel Gbagbo und Affi N´Guessan auf YouTube veröffentlicht. Sie zeigten wie sie durch Morou Ouattara der Com´zone(3) von Bouna misshandelt  wurden.
Aber seit heute (04.03.13) hat Michel Gbagbos Anwältin, Habiba Touré, einen kleinen Sieg errungen: Auf ihre erstattete Anzeige gegen Guillaume Soro und die 10 Com´zones vor der Französischen Justiz, wurde einen Untersuchungsrichter ernannt um Licht in die Sache zu bringen.
Da sich Paris seit fast zwei Jahren  in Schweigen gehüllt hat, und nichts unternommen hat um Michel frei zu bekommen, betrachtet Maître Habiba Touré dies schon als Sieg, und hat eine offizielle  Pressemitteilung herausgegeben.

(1) CEDEAO (auf Englisch ECOWAS) Communauté économique des Etats de l´Afrique de l´Ouest ist eine wirtschaftliche Vereinigung von 15 Ländern
(2) Opération des Nations Unies en Côte d´Ivoire: ist die Operation der vereinten Nationen in der Elfenbeinküste
(3) Com´zone Abkürzung von Commandant de Zone. Die ehemaligen Rebellen hatten das Gebiet  unter ihrer Kontrolle  in „Zone“ geteilt wofür ein „Commandant“ genannt wurde. Sie haben diese Teilung nach dem Machtwechsel für das ganze Land übernommen.

Machtmissbrauch und sinnlose Gewalt

Jean-Fabrice Koné Dossongui und seine Frau Amenan N´guessan in dem Wottro

Noch vor einigen Tagen war Jean-Fabrice Koné Dossongui für die Ivorer komplett unbekannt. Leider hat sich das für ihn auf dramatische Weise geändert.
Jean Fabrice hat vor einigen Wochen (14. Juli) geheiratet. Da das Auto, das ein Freund ihm und seiner Frau Amenan Nguessan zur Verfügung zu stellen versprochen hatte  nie kam, entschied seine Frau, dass sie mit einer „Wottro“ fahren sollten. Wottros sind Holzkarren, die eigentlich benutzt werden, um Sachen zum Markt zu transportieren (meist Obst und Gemüse). Sie werden durch menschliche Kraft geschoben.
Alain Toussaint ein ehemaliger Berater von Laurent Gbagbo, bekam das Bild durch einen Freund zu sehen und fand es „rührend, außergewöhnlich“ und total originell. Er richtete also einen Appel, an die Facebooknutzer. Er wollte das Paar kennenlernen und ihnen ein kleines Geschenk zukommen lassen.
Er fand es tatsächlich und kündigte das über Facebook an. Er erzählte, dass er es geschafft hatte mit dem Paar in Kontakt zu treten. Jean-Fabrice Dossongui hätte sich gefreut, dass er ihn anruft, weil er und seine Frau davor das Gespött, der Leute gewesen wären.
Aber mit diesem Facebook-Eintrag fing der Ärger für Jean-Fabrice an. Nachdem er von einem Internetcafé-Betreiber denunziert worden war, wurde Jean-Fabrice am 11. August gegen 8 Uhr von zwei Männern aufgesucht, die ihn über sein Leben, seinen Kontakt zu Alain Toussaint, zu Gbagbos Milizen usw. befragten. Er befand sich zu dieser Zeit in Yamoussokro, wo er Ferienkurse unterrichtete. Er versuchte ihnen klar zu machen, dass er gerade erst Alain Toussaint über Facebook kennengelernt hatte, aber sie wollten davon nichts wissen. Sie versuchten ihn mitzunehmen, aber da die andere Bewohner sich dagegen stellten, ließen sie davon ab, konfiszierten aber sein Handy. Nach diesem unerfreulichen Besuch, überkam Jean-Fabrice die Angst. Um sein Leben fürchtend, entschied er sich am selben Tag zu seiner Familie nach Gagnoa zurückzukehren und verlies Yamoussoukro. Eine Woche später, am Freitag den 17. August tauchten dieselben Männer gegen 22 Uhr in Gagnoa auf. Sie waren in Begleitung des Freundes von Jean-Fabrice (ein Lehrer), der ihn in Yamoussoukro während seines Aufenthaltes untergebracht hatte. Die Männer, die bewaffnet waren, nahmen Jean-Fabrice mit. Um das Leben von Jean Fabrice besorgt, und da er sich verantwortlich fühlte kündigte Alain Toussaint dies über Facebook an. Die Männer, die ihn mitgenommen hatten, hatten sich als Mitglieder der republikanischen Garde (Garde Républicaine) ausgegeben, und ihn nach Yamoussoukro mitgenommen, wo seine Frau und einige Familienmitglieder mittlerweile eingetroffen waren.
Am 19. verkündete Alain Toussaint das über Facebook und dass er Kontakt zum UNO-Repräsentanten in der Elfenbeinküste (ONUCI) aufgenommen hatte, um ihm Jean-Fabrice Fall zu schildern.
Am Montag den 20. August, wurde Jean-Fabrice, in den frühen Morgenstunden von Dorfbewohnern in der Nähe der Militärschule von Zambakro gefunden. Er befand sich in einem schlimmen Zustand und war offensichtlich gefoltert worden. Sein rechter Oberschenkel war gebrochen, ein Auge war in Mitleidenschaft gezogen und er trug überall Verletzungen: auf dem Rücken, auf den Rippen, im Genitalbereich. Sie stammten von Gewehrkolben, Armeestiefel und Holzstück mit denen seine Entführer ihn misshandelt hatten.
Wäre nicht die UNO-Polizei (UNPOL) gewesen, die nach ihm gesucht hatte – sobald sie am Sonntag 19.August –informiert worden waren, und die Mobilisierung der Facebook-Gemeinschaft, wäre es um ihn noch schlimmer gegangen.
Jean-Fabrice ist nur ein Beispiel, was in der Elfenbeinküste im Moment vorgeht. Wer weiß was aus ihm geworden wäre, wenn die Facebook Gemeinschaft sich nicht für ihn so stark eingesetzt hätte? Er wäre mit großer Wahrscheinlichkeit gefoltert und ermordet worden. So ist zur Zeit das Leben in dieser „demokratischen“ Elfenbeinküste von Alassane Ouattara.