Tag-Archiv | FRCI

Tragischer Tod eines Fotomodels und dessen Folge

 

Awa Fadiga

Awa Fadiga

 

27.04.2014

Awa Fadiga ist tot! Am 25. März machte diese Nachricht unter den Ivorern in der Elfenbeinküste und im Ausland die Runde. Fast alle sprachen davon, und Leute, die sie nicht kannten entdeckten sie dadurch.

Die Wirkung des Todes von Awa Fadigas, ein 23. jähriges Fotomodell, hat die ivorische Regierung so überrascht, dass sie bisher mit den Folgen kämpf. Jeden zweiten Tag kommt eine neue Entscheidung. In diesem Chaos sind manche Entscheidungen den vorherigen entgegengesetzt. Aber bei dieser Regierung, ist das nicht neues.
Awa Fadiga wurde von einem Taxifahrer überfallen und vom fahrenden Auto auf die Fahrbahn geworfen. Sie prallte gegen die harte Straße und wurde dadurch schwer am Kopf verletzt. Da es nicht weit weg von Abidjans größter Gendarmeriekaserne war, wurden diese von Zeugen benachrichtigt. Die Gendarmen wiederum verständigen die Feuerwehr, die Awa fadiga in CHU¹ von Cocody —  eine Universitätsklinik, die eins der größten Krankenhäuser des Landes ist– hinbrachte. Gegen 23 Uhr angekommen wurde sie nicht  beachtet und lag stundenlang blutend auf dem Boden, bevor eine Aushilfe Mitleid mit ihr hatte. Sie wusch die Verletze mit Wasser und Seife und kleidete sie mit einer ihrer eigenen Leggings aber keinem Oberteil.
Währenddessen suchte Awas Familie nach ihr, da sie seit zwei Tagen nicht von ihr gehört hatte. Bis die Familie sie über die Gendarmerie gefunden und den Weg zu ihr in CHU gefunden hatte war es schon 13 Uhr. Zu dieser Zeit, hatte außer der Aushilfe — die aus eigenem Antrieb agiert hatte— sich niemand um Awa Fadiga gekümmert. Sie lag immer noch blutend, ohne medizinische Versorgung und offenbar in Schmerzen auf dem Boden. Keiner hatte sich um sie gekümmert, sei es Pfleger oder Arzt.
Erst als die Familie angetroffen war, wurde sie vom Boden gehoben und in ein Zimmer gebracht. Dann wurde das erste Rezept gerade einmal ca. 20 Euro ausgestellt. Es wurde auch entschieden, dass sie angesichts ihrer Verletzungen  zur Computertomographie gebracht werden sollte. Leider war der Computertomograph des CHU defekt. Die Verletze musste zu einer Privatklinik gefahren werden. Um das zu bewerkstelligen, musste die Familie extra zahlen: Zuerst für den Krankenwagen, der sie transportieren sollte, weil er wahrscheinlich, wie es oft der Fall ist, kein Benzin hatte  und anschließend für die Kosten der Computertomographie in der Privatklinik. Nach der Rückkehr im Krankenhaus wurde ihr zwar ein Bett auf der Intensivstation zugeteilt, mehr wurde dennoch nicht für sie getan bis sie in den frühen Morgenstunden starb.
Nach ihrem Tod stellte Nelly Yavo, der Leiter der Agentur der sie angehörte ein Video auf Facebook, in dem er die Umstände ihres Todes schilderte und das medizinische Personal an den Pranger stellte. Laut Nelly Yavo hätte es sich geweigert Awa Fadiga zu behandeln, da sie kein Geld bei sich hatte, um die Notfallpflege zu bezahlen. Dieses Video, das schnell über Facebook geteilt wurde, rief ein Sturm der Entrüstung hervor. Die Nachricht wurde überall übernommen, auch in den ausländischen Zeitungen. Aus diesem Grund sah sich die Regierung zur Handlung gezwungen. Am 26.03.2014 meldete sich die Gesundheitsministerin Raymonde Goudou Coffie zu Wort. Sie erklärte in ihrem Kommuniqué, dass Awa Fadiga nach ihrer Ankunft bei der Notaufnhame versogt worden war. Man hätte sie an den Tropf gehängt, und sie von einer Aushilfe mit Seifenwasser und Antiseptikum säubern lassen „um ihr ihre Würde zurückzugeben“ [SIC]. Allerdings goss diese Erklärung der Mininistern Öl ins Feuer anstatt die Gemüter zu beruhigen. Andere Videos, teilweise von Fadigas Familienmitgliedern, wurden im Netz gestellt, um dieser Erklärung zu widersprechen. T-Shirts mit dem Bild von Awa Fadiga und der Beschriftung „Von einem Taxifahrer überfallen, der CHU hat sie ermordet“ wurden in Umlauf gebracht. Gleichzeitig wurde eine Petition „damit die Krankenhäuser keine Sterbeanstalt mehr sind“ und eine Facebook Seite mit dem Namen „ Stop nie mehr das“ gestartet. Innerhalb weniger Stunden waren mehreren tausenden „Like“ und Unterschriften gesammelt.
Angesichts dieser Mobilisierung versuchte die Regierung die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Es wurde seitens der Staatsanwaltschaft entschieden die Beerdigung aufzuschieben, um eine Autopsie zu ermöglichen, und zugleich eine Untersuchung einzuleiten. Weibliche Mitglieder der Regierung und der Familie vom Präsidenten wurden nach der Autopsie—wahrscheinlich mit Geld– zu der Trauerfeier geschickt. In den folgenden Tagen wurde ein Phantombild des Taxifahrers veröffentlicht. Da die Anspannung immer noch im Netz zu spüren war bemühte sich die Regierung die Wogen zu glätten und veröffentlichte den Autopsie-Bericht. Am 9. April dann eine weitere Maßnahme: der Leiter der Notaufnahme Prof. Yavo Tetchi, der Geschäftsführer des CHU Prof. Jean Claude kouassi und die Aufsichtsbeamtin — die am Tag des Geschehens im Dienst war– Yolande Abo wurden entlassen. In ihrer ersten Kommuniqué hatte die Ministerin Goudou zwar die Ärzte in Schutz genommen und erklärt sie hätten alles richtig gemacht, aber angesichts des Grolls in der Bevölkerung wurden sie entlassen in der Hoffnung die Lage zu beruhigen. Allerdings brachte diese Entlassungen wiederum die Ärzte des Krankenhauses auf die Palme. Sie fingen einen Streik an um dagegen zu protestieren. Gleichzeitig erhoben sich in der Bevölkerung Stimmen, die den Rücktritt der Gesundheitsministerin forderten, weil sie das medizinische Personal am Anfang reingewaschen hatte. Die Regierung aber entschied sich für andere Maßnahmen. Die Schließung der Intensivstation des CHU für drei Monate (ab dem 1. Mai) für Renovierungen wurde entschieden. Am 16. April wurde der vermeintliche Taxifahrer festgenommen.
Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt, aber der Tod von Awa Fadiga hat den Fokus auf zwei Sachen gelegt, die die ivorische Gesellschaft schon Lange zermürben: Die Kriminalitätsrate, die so hoch ist, dass man nicht mal in Taxen sicher ist. Hin und wieder überfallen Taxifahrer, allein oder mit Komplizen, ihre Fahrgäste. Die zweite Sache ist das Versagen des medizinischen Systems, das quasi zusammengebrochen ist. Ohne Geld wird keiner mehr im Krankenhaus behandelt. Wer wie Awa Fadiga ohne Familie und Papier ins Krankenhaus landet ist so gut wie zum Tode verurteilt. Keiner wird sich um ihn/sie kümmern so lange die Kasse nicht geklingelt hat. Awa Fadiga war nicht die erste, doch in ihrem Fall hat die ivorische Gesellschaft entsetzt reagiert. Das medizinische Personal hat sich zwar nicht „gemäß den geltenden Normen“ verhalten, dennoch tragen sie nicht die alleinige Schuld. Die Krankenhäuser wurden von den FRCI nach den Kämpfen (2011) geplündert und nie rehabilitiert. Obwohl die Regierung viele Maßnahme angekündigt hat wie die Übernahme der Behandlungskosten – es ist immer bei den Ankündigung geblieben.

Die Lage in den Krankenhäusern – die vorher nicht rosig war – hat sich also mit dem Regierungswechsel, genau wie die Lebensbedingungen der Ivorer, noch verschlechtert.

 

 

 

1- CHU: Centre Hospitalier Universitaire (Universitätsklinik)

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Zoff um den Tod des Journalisten Oué Désiré

02.12.13

Désiré Oué

Désiré Oué

Am Donnerstag den 14.11.13 wurde der Journalist Désiré Oué vor seinem Haus in Abidjan erschossen. Die Umstände seines Todes sind bisher unbekannt und man weiß man wenig über die Täter oder deren Hintermänner.

Nachdem die Nachricht seines Todes sich im Netz verbreitet hatte, schrieb le Mentor, eine Internetseite der RDR (Partei von Alassane Ouattara), dass Oué ein Milizsoldat von Laurent Gbagbo gewesen wäre und, dass seit langem nach ihm gefahndet wurde. Man hätte ihn am Donnerstag 14.11. endlich gefunden. Laut le Mentor hatte Oué als erster auf die FRCI geschossen, die hätten nur zurückgeschossen und ihn dabei tödlich getroffen. Nachdem diese Version einen Aufschrei der Empörung in den oppositionellen Zeitungen und im Internet hervorgerufen hatte, kam eine andere Version, diesmal von der Regierung. Drei Tage nach Oués Tod erklärte die Ministerin für Kommunikation Affoussiata Bamba-Lamine, über BBC und RFI, dass Oué bei einem Raubüberfall erschossen worden sei. Aber dann wurde am Montag 18.11 ein anderer Journalisten– Dieusmonde Tadé von der Zeitung Nouveau Réveil—von Unbekannten in Abidjan entführt, und später auf der Autobahn, 60 Kilometer von Abidjan entfernt frei gelassen. Nach dieser Entführung kam ein Kommunique des Kommunikationsministeriums, indem die Ministerin Affoussiata Bamba-Lamine diesmal alle Journalisten ermahnte das Ergebnis der Untersuchung abzuwarten, die die Hintergründe des Todes von Oué klären sollte. Mittlerweile war ein anderer Streit vom Zaun gebrochen. Denn, nach der Intervention der Ministerin hatte Le Mentor den Artikel umgeändert und die Zeilen, die erklärten, dass Oué als erster geschossen hätte verschwinden lassen. Die Zeitung La Voie (von der FPI), die auf diese beiden unterschiedlichen Artikel aufmerksam gemacht hatte, wurde von dem CNP¹ mit einer Sperre bedroht. Laut dem CNP¹ hätte dieser erste Artikel, der von der Homepage schon verschwunden war, nie existiert und wäre von La Voie erfunden worden. Angesichts dieser Drohung schalteten sich einige andere oppositionelle Zeitungen und Homepages ein und veröffentlichten die beiden Artikel von Le Mentor. Aufgrund dessen wurde vom CNP keine Sanktion mehr gegen La Voie verübt.
Oué wurde am 23.11 in Abidjan beigesetzt. Mittlerweile hat der Teil seiner Familie, der in Frankreich lebt, die Regierung aufgefordert eine Untersuchung der Umstände seines Todes aufzunehmen. Laut der Familie hat die Polizei sich nicht mal die Mühe gemacht die Familie zu befragen, den Tatort zu untersuchen oder eine Obduktion durchzuführen.
Dieser Mord wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ungeklärt bleiben.

 

 

 

1- Der CNP :Conseil national de la Presse (National Rat der Presse)

Wenn ein Minister seine Ohnmacht gegenüber den FRCI zugibt

Nach und während  der Eroberung von Abidjan durch die FRCI — unterstützt von der UNO und der Force Licorne —  im April 2011, haben viele Menschen ihr Eigentum für immer verloren.

Manche Sachen wurden durch Bomben beschädigt, andere geplündert. Aber ein großer Teil der Sachen wurde von den FRCI  konfisziert. Im Feuer der Gefechte, hatten sie alle Autos beschlagnahmt, die sie in die Finger kriegen konnten. Nach dem Ende der Kämpfe wurden sie den Besitzern aber nicht zurückgegeben. Die schönsten oder die wertvollsten wurden von den ranghohen  FRCI behalten und die wenigen wertvollen den Soldaten überlassen. Aber die Enteignung der Bürger blieb nicht bei den Autos. Häuser und Wohnungen wurden auch beschlagnahmt. Die Eigentümer konnten aus Angst getötet zu werden nichts sagen, also hat sich keiner gewehrt.
Die Häuser der Mitarbeiter Gbagbos oder die von ihm nahestehender Personen, wurden am meisten besetzt oder geplündert. Viele der Eigentümer waren schon geflohen oder hielten sich versteckt. Aber es blieb nicht bei der Besetzung der Häuser von  ehemaligen Regierungsanhängern. Alle Häuser oder andere Besitztümer, die den Siegern gefielen wurden einfach beschlagnahmt oder besetzt.
Für die FRCI war das nichts neues. In dem Teil der Elfenbeinküste, die seit Beginn der Rebellion im September 2002 unter ihrer Kontrolle war, hatten sie das schon praktiziert. Sie hatten – es geht bis heute noch — Häuser der Leute Jahrelang bewohnt ohne einen Cent Miete zu zahlen. Dazu hatten sie die Bevölkerung in ihrem kontrollierten Gebiet ermuntert und die hatten sich Jahre lang, genau wie sie selbst geweigert, Strom- und Wasserrechnungen zu bezahlen.
Nach der Eroberung Abidjan, die das wirtschaftliche Zentrum des Landes ist, haben sie diese Methode wieder angewendet.
Seit mehr als zwei Jahren kämpfen die betroffenen Bürger darum, ihre Häuser wiederzubekommen. Bisher ohne Erfolg. Auch diejenigen, die prozessiert und gewonnen haben,  können nichts tun. Kein Vollstreckungsbeamter traut sich gegen die FRCI vorzugehen. Der Staat auch nicht, obwohl sie einige öffentliche Gebäude und Gelände besetzen.
Vor diesem Hintergrund wurde Paul Koffi Koffi gefragt, was er zu unternehmen dachte, damit die geschädigten Bürger ihr Eigentum zurückerhalten. Paul Koffi Koffi ist der für die Verteidigung beauftragte Minister — das Verteidigungsministerium liegt beim Präsidenten selbst. Am 10. September 2013 war er Gast im nationalen Fernsehen und  stand zur Verfügung, um einige Fragen, die die Sicherheit des Landes betreffen zu beantworten.
Koffi Koffi hat das Durcheinander bei den FRCI zugegeben, wo laut seiner Aussagen ein großes Hierarchie- und Disziplin-Problem herrscht. Obwohl er zuvor die Freigabe der Besitztümer für Juli 2013 angekündigt hatte, war nichts passiert. Er konnte auch kein neues Datum nennen und blieb unklar darüber, was er als Chef der FRCI zu tun gedenke. Er erklärte, dass man sich diplomatisch gegenüber den FRCI verhalten müsse. Er riet den Betroffenen ein Verfahren gegen die „illegalen Bewohner“ einzuleiten, obwohl alle Beteiligten wissen, dass es zu nichts führen wird.

Diese Gesetzlosigkeit, die seit dem Machtwechsel in der Elfenbeinküste herrscht, kommt nur daher, dass sich Alassane Ouattara nicht traut mit den FRCI anzulegen.

Chaos anstatt „Demokratie“

Sabri Lamouchi

Fotomontage-Beispiel aus dem Internet. Buchtitel: Wie man aus der Schule Kommen kann und sich beim Praktikum die Taschen mit Millionen voll stopfen kann
Demnächt bei der FIF erhältlich
Vorwort von Sidy Diallo

In der Elfenbeinküste sind sie sich alle einig, viel läuft momentan schief. Sport, Wirtschaft, Gesellschaft, alles ist betroffen.
Die Sicherheit ist das Erste, das unter dem Machtwechsel gelitten hat. Nach seiner Machtergreifung hat Alassane Ouattara die Polizei und die Gendarmerie entwaffnet. Der Grund dafür war, dass sie mit der ivorischen Armee dem vorherigen Präsident Laurent Gbagbo bis zum Letzen treu geblieben waren. Sie hatten Seite an Seite gegen die Forces Nouvelles (neuer Name der Rebellion) und später gegen die FRCI (die Armee von Alassane Ouattara) gekämpft. Die FRCI bestehen hauptsächlich aus den Forces Nouvelles  — also aus den Rebellen – und wurden im März 2011 von ihm per Dekret ins Leben gerufen. Alassane Ouattara hat der Polizei und Gendarmerie diese Treue zu seinem Vorgänger nie verziehen.
Sie waren nach Gbagbos Sturz die ersten, die — neben Gbagbos Mitarbeitern — die Folgen gespürt  haben und die Konseqenzen daraus getragen haben. Ihre Gehälter wurden gekürzt, die Wohnungszuschüsse gestrichen, und vor allem wurden sie entwaffnet und unter die Führung der FRCI gestellt. Da die FRCI aber nicht ausgebildet sind und zum Teil Analphabeten sind, können sie die gut ausgebildeten Polizisten und Gendarmen nicht ersetzen. Die Konsequenz ist, dass sie ihre Macht nur missbrauchen und die Bevölkerung schikanieren und terrorisieren.
Auch wenn die Polizei in der Vergangenheit nicht fehlerlos war, und  beispielweise versucht hat, Autofahrern bei jeder Gelegenheit das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist dies bei Weitem kein Vergleich zu den FRCI. Diese sind neben der Schutzgelderpressung, die oft ihre einzige Einnahmequelle ist, auch für ihre Schießwütigkeit bekannt. Die Aktuelle Regierung hat versucht die FRCI — die etliche illegale Straßensperren aufstellen um ans Geld zu kommen — von den Straßen zu vertreiben. Es war nicht möglich, da sie nach einigen Wochen, wieder zu sehen waren. Es geht eigentlich nicht anders, da sie keine andere gesicherte Einkommensquelle haben. Die neue Regierung der Elfenbeinküste hat sie nicht entschädigt, obwohl sie alles liegen gelassen haben um sich in die Rebellion zu verpflichten. Nach dem Machtwechsel sollte jeder fünf Millionen CFA Francs (ein bisschen mehr als 7600Euro) erhalten oder von der Armee übernommen werden. Aber da dieses Geld nie ankam, bedienen sie sich bei der Bevölkerung, vor den Augen einer Regierung, die machtlos ist. Denn die FRCI stellen auch für sie, eine Gefahr dar. Falls man versuchen sollte sie mit Gewalt aus dem Verkehr zu ziehen, könnten sie sich gegen die Regierung wenden — Sie haben schon ein paarmal ihren Unmut durch Schießereien bekannt gegeben. Also muss die Bevölkerung das Ganze ausbaden.
Auf dem sportlichen Niveau ist es nicht besser. Zahoui François, der ehemalige Trainer der Fußball-Nationalmannschafft, der die Elefanten bis zum Finale des Afrika Cup 2012 geführt hatte, wurde ohne Erklärung und logische Gründe durch Sabri Lamouchi einem Unbekannten auf der internationalen Ebene ersetzt. Lamouchi war noch nie Trainer und kommt direkt von der Trainer-Schule. Er hatte gerade 8 Tage sein Trainer-Diplom in der Tasche als er unter Vertrag  bei der FIF (Ivorischer Fußball Verband) — durch den  Vorsitzender Sidy Diallo — genommen wurde. Zahoui der vorherige Trainer wurde ohne Vorwarnung ausgebootet. Da die Ivorer keine Macht darüber haben machen sie sich nur darüber lustig.
Auf der wirtschaftlichen Ebene wird ein Wirtschaftswachstum von der Regierung laut angekündigt, aber was zu beobachten ist, dass die Regierung große Mühe hat die Gehälter der Beamten zu zahlen. Ende Juli wurde nur ein Teil dieser Gehälter pünktlich überwiesen. Auch die Hoffnung, dass neue Investoren das Land für sich entdecken könnten, hat sich nicht realisiert. Aber angesichts der unsicheren Lage im Land, war es nicht anders zu erwarten. Es sind kaum neue Investoren dazu gekommen. Einige haben sogar den Standort gewechselt, und haben sich in anderen Ländern wie Ghana oder Sénégal niedergelassen, da die Elfenbeinküste ihnen zu unsicher war.
Die Elfenbeinküste erlebt wegen diesem Chaos,  sogar für das Land eine neue Art von Verbrechen wie die Piraterie. Mehrere Schiffe wurden schon vor der Küste des Lands entführt.

Die Regierung versucht ihr Bestes, aber leider ist ein Ende dieses Chaos nicht in Sicht, da einem Teil dieser Regierung das Wissen einfach fehlt. Sie wurden wegen ihrer Treue zu Alassane Ouattara in die Regierung berufen, ohne die Kompetenz dafür zu haben.

 

 

 

FIF: Fédération Ivoirienne de Football

Die geschassten sind nicht immer die schlimmsten

Dieser Titel fasst eigentlich zusammen, was derzeit in der Elfenbeinküste vorgeht. Solange Laurent Gbagbo an der Macht war, wurde sehr oft über Menschenrechtsverletzungen berichtet, oder unschöne Sachen über das Land erzählt. Man hatte das Gefühl es gäbe außer Laurent Gbagbo keinen schlimmen Menschen auf diesem Kontinent, und alle anderen Präsidenten neben ihm wären Engel.
Aber seit Laurent Gbagbo gestürzt ist, sind die Medien verstummt und diese Berichte verschwunden. Keiner spricht mehr von der Elfenbeinküste, als ob dort alles jetzt wieder in Ordnung wäre. Als ob die Situation sich mit Gbagbos Abgang verbessert hätte.
Leider ist es nicht so, was mich für das Land sehr traurig macht. Man  hat eher das Gefühl wir alle sitzen (in der Elfenbeinküste) auf einem Pulverfass, das nur auf eine Gelegenheit zur Explosion wartet. Die „kleinen Feuergefechte“ die hin und wieder stattfinden – vor allem im Westen des Landes – sind nicht da, um uns unrecht zu geben.
Im Land ist viel Wut und Hass angestaut. Leider anstatt die Versöhnung mit den ehemaligen Gegnern zu suchen, um das Land zur Ruhe zu bringen, versucht Alassane Ouattara seine einstigen Gegner auszuschalten. Die Opposition wird, wenn nötig durch Gewalt geknebelt. Die Liste der Menschen die ins Gefängnis gesteckt werden, wird jeden Tag länger: seien es ehemalige Armeeangehörige, Polizisten, Gendarmen oder Zivilisten. Die Opposition spricht von mehr als 1500 Armeeangehörige die im Moment im Gefängnis sind. Ihre Schuld? Auf der Seite der ehemaligen Regierung gekämpft zu haben. Viele Gefährten von Laurent Gbagbo, darunter seine Frau Simone Gbagbo und sein Sohn Michel Gbagbo und  Freunde wie Aboudramane Sangaré oder Affi N´Guessan, Genevieve Bro Grebe usw.  sind in den Gefängnissen im Norden des Landes verteilt: Boundiali, Korhogo, Odienné, Bouna, Katiola usw… Ihre Zahl, die oft in den oppositionellen Homepages genannt wird, ist über 500 Leute. Nicht zu vergessen sind auch die kleinen Leute, die keiner kennt, und die aus diesem Grund nicht zahlenmäßig erfasst werden konnten.
Während man unter Laurent Gbagbo die Freiheit hatte seine Meinung zu außern, ist die Bevölkerung unter der jetzigen Regierung aus Angst vor Repressalien verstummt. Sogar vor Bloggern wird kein Halt gemacht. Sie werden hin und wieder für ein paar Tage oder ein paar Stunden verhaftet und in Gewahrsam genommen. Die Opposition wird auch daran gehindert ihre Meinung kund zu tun. Ihre Meetings werden unterbunden, indem man die FRCI gegen sie einsetzt. Und wenn die Meetings „offiziell“ zugelassen sind – wie beim ersten Meeting der FPI  in Januar 2012 —  werden  sie auseinander gebracht, indem die Regierung ihre Miliz auf sie hetzt. Bei diesem Meeting  im Januar 2012 gab es mehrere Tote und Verletzte.
Wirtschaftlich geht es dem Land auch nicht besser. Alassane Ouattara hat sich zwar als Ziel gesetzt die Elfenbeinküste als Schwellenland bis zum Jahr 2020 zu  positionieren, aber es sieht nicht gut aus, obwohl dies für die Bevölkerung nicht schlecht wäre.
Auch der Arbeitsmarkt ist nicht frei von Spannungen. Laurent Gbagbo hatte trotz einem geteilten Land die Gehälter angehoben und immer rechtszeitig bezahlt. Alassane Ouattara hat einige Zuschüsse (z.B. fürs Wohnen) sofort abgeschafft. Vor einigen Wochen sind Lehrer und medizinisches Personal in den Streik getreten. Da sie nicht in der Lage war, diese Streiks zu verbieten, hat die Regierung einen Weg gefunden, um sie zu unterbinden, indem sie ihnen die FRCI schickte. Einige Leute wurden während des Streiks verhaftet und ins Gefängnis gesteckt, ohne großen Erfolg, da die anderen weitergemacht haben. Aber seit einigen Tagen hat die Regierung eine andere Methode gewählt um neue Streiks vorzubeugen. Ein Teil der Gehälter aller Lehrer, die an den letzten Streiks teilgenommen haben, wird als Strafe zurückbehalten, obwohl dies keine Rechtsgrundlage hat.
Mit den Finanzen des Landes geht es auch bergab. Unter der vorherigen Regierung war die Elfenbeinküste in der Lage ihre Schulden, trotz einer Wirtschaft die langsam lief –wegen eines geteilten Landes — zurückzuzahlen. Der neue Präsident hingegen hat wieder angefangen das Land neu zu verschulden.
Alles das sieht wie eine Hymne zu Gbagbos Ehre, es ist aber leider die Realität, die die Ivorer momentan erleben, ohne dass Jemand sich für sie interessiert. Alles wird unter den Teppich gekehrt, und getan als ob alles sehr gut laufen würde. Auf keinem Sektor läuft es, wie es sein sollte und die Menschen leiden. Aber wen interessiert das schon, zumal die Gönner von Alassane Ouattara mit eigenen Problemen zu kämpfen haben.

Amnesty International-Bericht stellt die ivorische Regierung bloß

Logo von Amnesty International

Logo von Amnesty International

Seit fast zwei Jahren reden die Ivorer von den Missetaten in ihrem Land, ohne dass sie auf internationaler Ebene Gehör finden. Die Länder-Gemeinschaft, die dem jetzigen Präsidenten Alassane Ouattara an die Macht geholfen hat, stellt sich blind und taub.
Was anderes war zu erwarten? Wie hätten Sarkosy (oder jetzt Hollande), Obama oder Cameron der eigenen Bevölkerung erklären können, dass sie sich bei dem Mann, für den sie sich stark gemacht hatten und den sie — teilweise– so hochgelobt hatten – er sei ein Demokrat, ein Mann mit sehr hoher Wirtschaftskompetenz usw – auf der ganzen Linie geirrt hätten? Dass dieser Mann eigentlich ein Diktator ist, der das Land Elfenbeinküste in den Abgrund stürzt, den Teil der Bevölkerung, der nicht für ihn ist, knebelt terrorisiert und teilweise ermordet lässt? Leider ist das die Realität in der jetzigen Elfenbeinküste, während alle seine Gönner und Unterstützer wegschauen.
Im Gegensatz zu Laurent Gbagbo, der ihnen ein Dorn im Auge war, und bei dem jede Verfehlung an den Pranger gestellt und lautstark gemeldet wurde, täuschen alle in Ouattaras Fall die Unwissenheit. Er wird in den westlichen Ländern — Deutschland inbegriffen(1) –  mit allen Ehren empfangen, und die Proteste, die gelegentlich diese Besuche begleiten, werden einfach nicht erwähnt. Alassane Ouattaras Untaten werden ausgeblendet, da er scheinbar zu den Guten gehört (2) oder soll man sagen zu den Nützlichen ?
Amnesty International, die sich sehr lange ziemlisch parteiisch verhalten hat, und die Verfehlungen dieser Regierung nicht oder kaum erwähnt hat, scheint endlich wach geworden zu sein. Am 26. Februar hat sie einen Bericht über die Elfenbeinküste veröffentlicht, der die Folter, Entführung und Ermordung der Bevölkerung dokumentiert
Auf 88 Seiten berichtet sie von den Greueltaten der FRCI, die nicht ausgebildete Armee Alassane Ouattaras, die zu großem Teil analphabet ist.
In diesem Bericht, den Amnesty International das «Gesetz der Sieger» genannt hat, erzählt sie von Folter, Entführungen, inoffiziellen Gefängnissen und Folterstellen, Ermordungen Gbagbos nahestender Ivorer usw. Einige Foltermethoden sowie Fälle von gefolterten Menschen, die daran gestorben sind, werden genannt.
Alles das von einer «demokratischen» Regierung, die es besser machen sollte als die Vorgänger, aber die sich als schlimmer erwiesen hat, während alle schweigen.
Wegen all dieser Vorkommnisse befürchte ich, dass der Krieg wieder aufflammt. Im Moment sind diejenigen, die verfolgt sind vor Angst gelähmt aber meine Sorge ist, dass sie irgendwann diesen Zustand überwinden und sich rächen wollen.
Alle Appelle der Ivorer, und von Menschen die das Land lieben, an die Regierung in Abidjan und ihre Unterstützer sind bis jetzt ohne Erfolg geblieben, und das ist ein schlimmes Zeichen für die Zukunft der Elfenbeinküste. Leider….

(1) Alassane Ouattara war vom 15-17 Januar 2013 zu Besuch in Deutschland

(2) Siehe (K)ein Diktator https://sichtundansicht.wordpress.com/2012/06/01/kein-diktator-12-2/

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH), Laurent Gbagbo und Afrika

cpi

Logo der Internationale Strafgerichtshof (IStGH)

Seit dem 19. Februar 2013 steht Laurent Gbagbo vor dem IStGH. Fatou Bensouda die Chef-Anklagerin, und ihr Team müssen genügend belastende Beweise für eine Anklage vorbringen. Aber für viele Leute steht in diesem Verfahren vor allem die Glaubwürdigkeit des IStGH auf dem Spiel.

Auf dem afrikanischen Kontinent wird Gbagbos Prozess in vielen Ländern mit sehr großem Interesse verfolgt, sei es von den Anhängern oder von der gegnerischen Seite. Die Zeitungen und Blogs sind voll von Berichten davon. Auch die Videos von den verschiedenen Verhandlungen sind auf etlichen Homepages zu sehen. Der IStGH, dem das große Interesse für dieses Verfahren bewußt war, hatte sich entschieden, die Verhandlungen zeitlich versetzt im Internet zu zeigen. Aber das Gericht hatte mit einen solch großen Andrang nicht gerechnet, so dass es unmöglich war seine Internetseite nach nur ein paar Minuten zu erreichen: sie war einfach zusammengebrochen. Gbagbos Prozess ist im Moment das Hauptthema und einige Länder haben sich sogar entschieden, die Vehandlung zu übertragen, aber nicht so die Elfenbeinküste. Die Übertragung von Gbagbos erstem Erscheinen vor dem IStGH am 5. Dezember 2011 war ein Straßenfeger, vielleicht befürchtet man wieder einen solchen Effekt. Die Anhänger des ehemaligen Päsidenten haben sich über diese „Zensur“ beschwert, auch wenn das nichts gebracht hat.
Am ersten Tag der Verhandlungen haben Gbagbos Anhänger, die überwiegend aus Frankreich (mit 60 Bussen) angereist waren in den Haag demonstriert. Sie haben sich im Zentrum getroffen und sind durch die Stadt bis zum Gefängnis marschiert .
Laurent Gbagbos Prozess fesselt den ganzen Kontinent und die Lage ist zweigeteilt, wobei man sagen muss, dass seine Anhänger in der Mehrheit sind. Gbagbo wird als Geisel der westlichen Länder, die die Macht auf internationaler Ebene haben, gesehen, und der IStGH nur als ihr velängerter Arm.
Denn seit der Gründung des IStGH sind nür Afrikaner und jedesmal die Verlierer der Kriege und Konflikte vor Gericht gebracht oder angeklagt worden: als ob es Verbrecher aus anderen Kontinenten nicht geben würde. Alle, die dieser Zustand kritisiert haben, wurden verdächtigt, die Straflosigkeit förden zu wollen. Aber bedenklich ist, dass in der Elfenbeinküste außer Gbagbo und seinen Anhängern kein anderer vor Gericht gestellt worden ist. Viele reden deswegen von einer Siegerjustiz und einer Justiz der Stärkeren. Die Politiker, die den Westen stören, sind immer diejenigen, die vor dieses Gericht gestellt werden (z.B. Jean-Pierre Bemba aus dem Kongo oder Omar Al-Bashir aus dem Soudan). Ihre Gegner sind jedesmal verschont geblieben. Die Afrikanische Union (AU), seit sie von Frau Nkosazana Dlamini Zuma geführt wird, weigert sich, mit dem IStGH zu arbeiten.
Seit einigen Tagen also liefern sich der IStGH und Gabgbos Anwälte-Team — von Maître Emmanuel Altit geführt — einen Schlagabtausch. Aber seit Donnerstag (21.02) ist die Chef-Anklagerin Fatou Bensouda allerdings — nach einer Blamage — von der Bildfläche verschwunden. Sie hatte (unwissentlich?) Gewaltbilder aus Kenia ihren Beweisemitteln hinzugefügt und sie als in der Elfenbeinküste geschehen angegeben, was die Verteidigung natürlich nicht durchgehen ließ. Weil Bensouda nach diesem Fehler nicht mehr zu sehen ist, wurde ihr Ausbleiben als Zeichen ihrer Scham gedeutet. Für einen Teil der Afrikaner, die wegen seiner Vorgehensweise gegen den IStGH sind, ist Fatou Bensouda ohnehin eine Verräterin, da sie mit den westlichen Ländern gegen ihren Kontinent arbeitet. Ihr Ausbleiben nach dem Fauxpas der falschen Beweise hat wasser auf die Mühlen ihrer Kritiker gegossen. Man munkelt, dass sie sich vielleicht nicht mehr zur Komplizin dieser „Maskerade“ machen will. So wird dieser Prozess gesehen, der von der Mehrheit als rein politisch eingestuft wird, die nicht erwartet, dass das Recht dort siegt. Die Rechtsprechung wird von ihnen, nicht als Ziel angesehen.

Hat Fatou Bensouda aufgegeben? Auf alle Fälle geht der Prozess weiter, unter der Führung ihres Stellvertreters, während sie selbst auf einer Konferenz in Italien erwartet wird