Tag-Archiv | FPI

Kommt Laurent Gbagbo frei?

Am 13. Juni wird die Entscheidung getroffen, ob Anklage gegen Laurent Gbagbo erhoben werden wird oder nicht. Die Lage bei seinen Anhängern ist zweigeteilt.

Seine Gegner – dazu gehört die Regierung in Abidjan –braucht man nicht zu fragen. Sie hoffen, dass er angeklagt wird und für viele Jahre und wenn möglich für immer im Gefängnis bleiben wird. Falls er frei kommen sollte, haben sie schon ein Szenario entwickelt um ihn wieder ins Gefängnis zu stecken. Die Anhängerschaft von Laurent Gbagbo ist für diese Regierung einfach zu groß und zu mächtig, als dass sie in Ruhe weiter regieren könnte wie jetzt, sofern er nicht verurteilt wird. Im Moment wird die Bevölkerung mittels der Angst unterdrückt, aber mit einer Führungsfigur wie Laurent Gabgbo an ihrer Spitze, wäre das vorbei. Die jetzige Regierung hätte dann wenig Erfolg ihre Diktatur fortzusetzen. Der Justizminister Gnenema Mamadou Coulibaly hat deshalb den Ton schon angegeben. Mitte Mai sagte er in einem Interview mit der französischen Radio RFI, dass sie ihn wieder inhaftieren würden käme er frei, weil man genug in der Hand gegen ihn in der Elfenbeinküste hätte.

Gabgbos Anhänger hingegen wollen, dass er frei kommt und tun alles in ihrer Macht stehende um seine Freilassung zu unterstützten. Sit-in, gewaltfreie Demonstrationen, regen Aktivität im Internet sind an der Tagesordnung. Der Widerstand ist jedoch außerhalb der Elfenbeinküste stärker als im Land selbst. Viele haben Angst vor einer eventuellen Entführung oder Folter und halten sich deswegen bedeckt. Affi N‘Guessan der Parteivorsitzender der FPI—der selbst mit der ganzen Parteiführung bis August 2013 im Gefängnis saß— zieht überall ins Land, um die Anhängerschaft wieder zu mobilisieren und das scheint ihm zu gelingen. Trotz mehrfacher Androhung seitens der Regierung ihn wieder ins Gefängnis zu stecken, da er eine vorläufige Haftentlassung genießt, versucht er die Partei wieder zu organisieren.
Dennoch stehen Gbagbos Anhänger zwischen Bangen und Hoffnung, da keiner genau weiß, wie es am 13. Juni enden wird. Die Optimisten unter ihnen denken, dass Recht und Justiz sich durchsetzen werden und Gbagbo frei gelassen wird, weil es keine Beweise gegen ihn gibt. Aber viele glauben nicht daran und denken, dass alles Mögliche getan wird um ihn in Den Haag fest zu halten, da zu viel auf dem Spiel steht.
In erster Linie werden die westlichen Mächte (Frankreich, USA, England), die die führende Kräfte waren um Gbagbo nach Den Haag  zu bringen, wahrscheinlich nie akzeptieren durch eine Freilassung das Gesicht zu verlieren. Aus diesem Grund werden sie gewiss einen Weg finden um ihn im Gefängnis zu behalten. Das Einfachste wäre die Anklage umzuändern. Denn sollte Gbagbo Laurent wieder in der Elfenbeinküste sein, hätte sich die ganze Mühe nicht gelohnt. Dazu kommt noch, dass es anderen Präsidenten Mut verleihen würde  hauptsächlich Frankreich die Stirn zu bieten und für eine bessere Verteilung des Reichtums ihrer Länder zu kämpfen. Möglich wäre sogar, dass sie sich trauen die Vertragsbedingungen mit der französischen Regierung oder französischen Unternehmen neu verhandeln zu wollen. Frankreich hat das Handelsmonopol in seiner ehemaligen Kolonien und kein Präsident hat bisher geschafft die Vertragsbedingungen zum Vorteil seines Landes zu ändern. Alle, die es versucht haben, sind „weggeputscht“ worden oder sind sogar wie im Fall Gbagbo in Den Haag gelandet. Man sieht es deutlich, denn nicht nur die Regierung in Abidjan hätte Laurent Gbagbo am liebsten aus dem Weg sondern die französische Regierung auch. Seit langem kursieren Gerüchte, dass man ihm das Angebot gemacht hätte ihn wieder  frei zu lassen, unter der Bedingung dass er ins Exil geht oder, dass er in der ivorische Politik nicht mehr „mitmischt“. Das hätte er abgelehnt. Die Lobbyarbeiten in Den Haag sind nicht umsonst im Gange und haben nur ein Ziel: Die Entfernung von Laurent Gbagbo von der ivorischen politischen Bühne. Seine Anhänger haben das längst verstanden, deswegen kämpfen sie mit den Mitteln die ihnen zur Verfügung stehen um die Öffentlichkeit zu alarmieren. Seither marschieren sie z.B. jeden Samstag unter der Leitung von Willy Bla in den Straßen von Paris.

Nur in den westlichen Ländern wird Laurent Gbagbo als normaler Gefangener betrachtet, für die meisten Leute ist er ein politischer Gefangener. Aus allen diesen Gründen ist es schwer zu glauben, dass das reine Recht am 13. Juni gesprochen wird.

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Zoff um den Tod des Journalisten Oué Désiré

02.12.13

Désiré Oué

Désiré Oué

Am Donnerstag den 14.11.13 wurde der Journalist Désiré Oué vor seinem Haus in Abidjan erschossen. Die Umstände seines Todes sind bisher unbekannt und man weiß man wenig über die Täter oder deren Hintermänner.

Nachdem die Nachricht seines Todes sich im Netz verbreitet hatte, schrieb le Mentor, eine Internetseite der RDR (Partei von Alassane Ouattara), dass Oué ein Milizsoldat von Laurent Gbagbo gewesen wäre und, dass seit langem nach ihm gefahndet wurde. Man hätte ihn am Donnerstag 14.11. endlich gefunden. Laut le Mentor hatte Oué als erster auf die FRCI geschossen, die hätten nur zurückgeschossen und ihn dabei tödlich getroffen. Nachdem diese Version einen Aufschrei der Empörung in den oppositionellen Zeitungen und im Internet hervorgerufen hatte, kam eine andere Version, diesmal von der Regierung. Drei Tage nach Oués Tod erklärte die Ministerin für Kommunikation Affoussiata Bamba-Lamine, über BBC und RFI, dass Oué bei einem Raubüberfall erschossen worden sei. Aber dann wurde am Montag 18.11 ein anderer Journalisten– Dieusmonde Tadé von der Zeitung Nouveau Réveil—von Unbekannten in Abidjan entführt, und später auf der Autobahn, 60 Kilometer von Abidjan entfernt frei gelassen. Nach dieser Entführung kam ein Kommunique des Kommunikationsministeriums, indem die Ministerin Affoussiata Bamba-Lamine diesmal alle Journalisten ermahnte das Ergebnis der Untersuchung abzuwarten, die die Hintergründe des Todes von Oué klären sollte. Mittlerweile war ein anderer Streit vom Zaun gebrochen. Denn, nach der Intervention der Ministerin hatte Le Mentor den Artikel umgeändert und die Zeilen, die erklärten, dass Oué als erster geschossen hätte verschwinden lassen. Die Zeitung La Voie (von der FPI), die auf diese beiden unterschiedlichen Artikel aufmerksam gemacht hatte, wurde von dem CNP¹ mit einer Sperre bedroht. Laut dem CNP¹ hätte dieser erste Artikel, der von der Homepage schon verschwunden war, nie existiert und wäre von La Voie erfunden worden. Angesichts dieser Drohung schalteten sich einige andere oppositionelle Zeitungen und Homepages ein und veröffentlichten die beiden Artikel von Le Mentor. Aufgrund dessen wurde vom CNP keine Sanktion mehr gegen La Voie verübt.
Oué wurde am 23.11 in Abidjan beigesetzt. Mittlerweile hat der Teil seiner Familie, der in Frankreich lebt, die Regierung aufgefordert eine Untersuchung der Umstände seines Todes aufzunehmen. Laut der Familie hat die Polizei sich nicht mal die Mühe gemacht die Familie zu befragen, den Tatort zu untersuchen oder eine Obduktion durchzuführen.
Dieser Mord wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ungeklärt bleiben.

 

 

 

1- Der CNP :Conseil national de la Presse (National Rat der Presse)

Ein kleiner Sieg für Michel Gbagbo

michel-gbagbo

Michel Gbagbo: seit fast zwei jahre ist er im Gefängnis

Seit dem Sturz von Laurent Gbagbo, befindet sich sein ältester Sohn Michel Gbagbo (43) in den Händen der Regierung von Abidjan. Michel Gbagbo und einige andere Mitstreiter von Laurent Gbagbo wie z.B. Affi  N´Guessan, der Nummer zwei der FPI war, wurden nach Bouna, im Nordwesten der Elfenbeinküste verlegt.
Aber im Gegensatz zu Affi  N´Guessan und die anderen ist Michel Gbagbo kein Politiker. Er war bevor er festgenommen wurde, Professor an der Universität in Abidjan und Schriftsteller. Er wurde —laut Aussage des damaligen Justizministers Ahoussou Konan— nur festgenommen, weil er der Sohn von Laurent Gbagbo ist. Die Anwälte von Michel Gbagbo haben von Anfang an seine Freilassung verlangt. Da sie keinen Erfolg hatten, haben sie vor dem Gerichtshof der CEDEAO (1) (die Wirtschafliche Gemeindschaft der Westafrikanischen Staaten) geklagt. Zweimal hat dieser Gerichtshof die sofortige Freilassung von Michel Gbagbo angeordnet, aber die Regierung in Abidjan hat beide Male nicht reagiert.
Da Michel Gbagbos Mutter Jaqueline Chamois Französin ist, hat er auch durch sie, diese Staatangerhörigkeit. Sie hatte dadurch gehofft seine Freilassung zu erreichen. Aber sie hat unter den Regierungen von Nicolas Sarkosy und jetzt unter François Hollande, ohne Erfolg für seine Freilassung gekämpft. Keiner der beiden wollte ihr zur Hilfe kommen. Im Juni 2012 ist sie mit der Anwältin von Michel, Maître Habiba Touré, zum ersten Mal vor die Presse getreten. Damals wusste man nicht, ob Michel noch leben würde, da er in ein Krankenhaus in Abidjan eingeliefert worden war. Weil er Kontakt zu Niemandem  haben dürfte (auch zu den Anwälten nicht) musste sich seine Familie nur mit Gerüchten zufrieden geben. Und die erzählten nichts Gutes. Mittlerweile weiß man, dass er damals von einer giftigen Schlange gebissen worden war, und dringend medizinische Hilfe brauchte.
Die ONUCI (2), die das Gefängnis in Bouna in der Vergangenheit besichtigt hatte, verkündete in ihrem Bericht, dass die Gefangenen „Opfer von Misshandlungen waren“ und dass sie unter „menschenunwürdigen und erniedrigenden Bedingungen gefangenen gehalten wurden“. Aber diese Tatsache wurde nur festgestellt und nichts wurde unternommen.
Teilweise wurde sogar Bildmaterial der Gefangenen von Bouna, darunter Michel Gbagbo und Affi N´Guessan auf YouTube veröffentlicht. Sie zeigten wie sie durch Morou Ouattara der Com´zone(3) von Bouna misshandelt  wurden.
Aber seit heute (04.03.13) hat Michel Gbagbos Anwältin, Habiba Touré, einen kleinen Sieg errungen: Auf ihre erstattete Anzeige gegen Guillaume Soro und die 10 Com´zones vor der Französischen Justiz, wurde einen Untersuchungsrichter ernannt um Licht in die Sache zu bringen.
Da sich Paris seit fast zwei Jahren  in Schweigen gehüllt hat, und nichts unternommen hat um Michel frei zu bekommen, betrachtet Maître Habiba Touré dies schon als Sieg, und hat eine offizielle  Pressemitteilung herausgegeben.

(1) CEDEAO (auf Englisch ECOWAS) Communauté économique des Etats de l´Afrique de l´Ouest ist eine wirtschaftliche Vereinigung von 15 Ländern
(2) Opération des Nations Unies en Côte d´Ivoire: ist die Operation der vereinten Nationen in der Elfenbeinküste
(3) Com´zone Abkürzung von Commandant de Zone. Die ehemaligen Rebellen hatten das Gebiet  unter ihrer Kontrolle  in „Zone“ geteilt wofür ein „Commandant“ genannt wurde. Sie haben diese Teilung nach dem Machtwechsel für das ganze Land übernommen.

Opposition tauscht Parteisitz

Diese Karikatur von DALI sagt alles über die momentane Lage der Opposition in der Elfenbeinküste.
MACA: Maison d´Arrêt et de Correction d´Abidjan ist das Gefängnis in Abidjan.
FPI: Front Populaire Ivoirien ist die Partei von Laurent Gbagbo.
Eigentlich ist es gut gesehen. Man könnte die beiden Aushängeschilder tauschen, weil zurzeit soviele FPI hochrangige Mitglieder und einfache Anhänger oder Sympathisanten im Gefängnis sitzen.
Laurent Akoun und und Alphonse Douaty (Nummer eins und zwei der FPI) sind die letzen, die noch letze Woche zur einer Gefängnisstrafe verurteilt worden sind.

(1) Siege du FPI: Sitz der FPI

 

 

Racheakt oder Einschüchterung?

Sitz der Zeitung „Le Temps“ nach dem Überfall

Am Samstag den 18. August 2012 wurde der vorübergehende Sitz der FPI (Front Populaire Ivoirien) Partei angegriffen, ein Teil davon angezündet und drei Menschen verletzt.
Seit einigen Zeiten ist die Elfenbeinküste Ziel von Angriffen, die Militärlagern gelten. Viele Menschen sind deshalb verängstigt, da keiner weißt wer hinter diesen Angriffen steckt.
In diesem Klima der Angst ist am Samstag den 18.August, der Sitz der Partei von Laurent Gbagbo angegriffen worden. Ein Auto, das davor stand wurde angezündet genauso wie einer der Räume. Die Angreifer sind an Bord eines kleinen Buses angekommen, haben den Wachmann zusammengeschlagen, so dass er in das Gebäude hinein fliehen  musste, um am Leben zu bleiben. Die Angreifer sind ihm dann gefolgt und haben alle auf dem Weg dahin zusammen geschlagen. Die Räume wurden zerstört, die Dokumenten auf den Boden geworfen, die Computer mitgenommen und die anderen Geräte wie z.B. die Kopiergeräte zerschlagen. Nachdem sie alles kaputt gemacht hatten, haben sie versucht das Gebäude in Brand zu stecken. Das ist ihnen nur in einem Raum gelungen. Während sie alles zerstörten sind die Menschen auch von ihnen angegriffen und zusammen geschlagen worden. Die, die weg laufen konnten haben es getan, während andere sich einsperrten um zu entkommen. Das Ganze endete mit 3 Verletzten und ein komplett durcheinander gebrachtes und zum Teil zerstörtes Gebäude.
Man könnte glauben, dass das alles war für diesen Tag, aber weit gefehlt. In der Nacht zum Sonntag wurde der Sitz der Zeitung „Le Temps“, die der FPI nahe steht, von Unbekannten überfallen und komplett zerstört. Diese Zeitung war ohnehin seit einigen Wochen gesperrt.  „Le Temps“ wurde für zwanzig (20) Ausgaben vom CNP (1) gesperrt, weil sie einen Artikel herausbrachte, den der CNP „beleidigend, boshaft, zu Revolte und zum Aufruhr aufrufend“ fand und dazu solle er „ die Ehrbarkeit des Präsidenten in Frage stellten.“ Dem Journalist der den Artikel geschrieben hatte, wurde das Schreiben für ein Monat verboten
Also sind die Zeitung „Le Temps“ und die jetzige Regierung keine Freunde. Bei dem Überfall wurde das Computermaterial mitgenommen bevor drei Büros in Brand gesteckt wurden.
Die Verantwortlich der Zeitung sind überzeugt, dass die Angreifer in der Reihe der Anhänger des RDR (Partei von Alassane Dramane Ouattara) zu finden sind.“ Die Untergrabung der Pressefreiheit soll aufhören“ so Herr Gbané, einer der Leiter von „Le Temps“.
Seit der Machtübernahme von Alassane Ouattara sind die Journalisten immer wieder Ziel von Angriffen.

(1) CNP Conseil National de la Presse

Angriffserie in der Elfenbeinküste

FRCI-Soldaten in der Stadt Dabou nach dem Angriff

Was ist in der Elfenbeinküste los? Seit ungefähr zwei Wochen  werden bestimmte millitäre Ziele angegriffen.  Es gab schon mehrere Tote bei den FRCI, wobei der  tödlichsten dieser Angriffe  am Vortag der Unabhängigkeitsfeier der Elfenbeinküste (7. August) stattfand.
Die Serie reißt bisher leider nicht ab.
Die Aussage von Innenminister Hamed Bakayoko vor einiger Zeit, dass das Land wieder sicher sei, scheint  eher ein frommer Wunsch zu sein als die Wirklichkeit. Diese Aussage, die dazu dienen sollte, die Investoren wieder ins Land zu locken, hat ihr Ziel verfehlt, da kein seriöser Mensch nach den wiederholten Angriffen sein Geld bei so einer instabilen Lage, in der Elfenbeinküste investieren würde.
Die Spannung ist plötzlich gestiegen seit dem 5. August. In der Nacht von 5. zum 6. August wurde ein Kommissariat von Yopougon (1)  in Abidjan (die Wirtschaftliche Hauptstadt), angegriffen. Nachdem sie das Kommissariat verlassen hatten,  haben die Angreifer ein Checkpoint der FRCI angegriffen, wo sie fünf Soldaten getötet haben. In der Nacht von 6. zum 7. August 2012 wiederholten sie ihre Angriffe. Diesmal wurde das größte Militärlager des Landes (Akouédo) angegriffen. Zwischen drei und fünf Uhr morgens  wurde das Lager von Akouédo von bewaffneten Angreifern – die Rede ist von ungefähr 30 schwer bewaffneten —  überfallen. Die Gefechte zwischen FRCI und Angreifer dauerten ungefähr zwei Stunden und sieben  Menschen verloren ihr Leben. Sechs FRCI-Soldaten und einer der Angreifer. Aber das schlimmste für die Armee ist, dass das Munitionslager von den Angreifern geplündert worden ist.  Die Rede ist von drei vollen LKWs, die von ihren Gegnern mitgenommen worden sind. Seitdem gehen die Attacken quer durch das Land. Immer wieder werden Lager von den FRCI angegriffen, und Waffen mitgenommen. In der Nacht vom 7. zum 8. August wurde einen Checkpoint in der Nähe von Agboville – 80 Km nordlich von Abidjan—angegriffen. Mehrere Militäre wurden verletzt. Ob es Tote gab ist nicht bekannt, da die Meldung , es gäbe welche, von der Regierung dementiert worden ist. In der Nacht von 12. zum 13. wurde ein Grenzposten der Elfenbeinküste zu Liberia  angegriffen.
Am 16. August wurde die Stadt Dabou (50 km von Abidjan) angegriffen: das Kommissariat, das Militärlager, die Gendarmerie und das Gefängnis wurden überfallen. Alle Gefangenen wurden frei gelassen und 5 Menschen getötet. Die Tage danach wurden die Städte Grand Lahou, San Pédro und Tai auch Ziel der Angriffe.
Bisher wird über die Identität der Angreifer nur spekuliert. Lediglich die Regierung hat direkt am Tag nach dem ersten Angriff die Anhänger vom vorherigen Präsident  Laurent Gbagbo beschuldigt, hinter diesem Angriff zu stehen. Der Innenminister hatte damals selbst diese Schuldzuweisung im national Fernsehen getätigt.  Seitdem die Angriffe sich vermehrt haben und überall im Land stattfinden ist er auch verstummt. Er ist normalerweise sehr bekannt für seine aufsehenerregenden Aussagen. Die Vertreter des FPI(2), Laurent Gbagbos Partei haben diese Anschuldigung zurückgewiesen. Sie haben eine Pressekonferenz gegeben, wo sie sich von jeder Schuld frei gesprochen haben. Auch wenn der Innenminister  Gbagbos nahe Leute als Schuldige nennt, viele Menschen vermuten die Angreifer auch in ihren eingenen Reihen.  In der Tat tobt ein unterschwelliger Krieg in den Reihen der FRCI. Deswegen wird eine Racheakt von einem Teil von ihnen nicht ausgeschlossen.
Vor der Krise waren die meisten FRCI einfach  Zivilisten. Sie wurden Ende 2010, nach der Wahl angheuert um die schon bestehende Rebellenarmee zu unterstützen, Laurent Gbagbo von der Macht zu drängen. Diese Männer haben dann,  Familie und Berufe – für die, die dies hatten –  oder ihre Felder für die Bauern, aufgegeben um der Rebellion beizutreten. Um viele zu überzeugen, hatte man ihnen fünf Millionen CFA Francs (ein bißchen mehr als 7600 Euro) versprochen. Es wurde ihnen auch eine Übernahme in der Armee in Aussicht gestellt. Aber nach dem Machtwechsel wurden sehr wenige von ihnen tatsächlich in den Dienst der Armee genommen. Erstens, weil sie zu zahlreich sind, und zweitens, weil ein großer Teil davon Analphabeten sind. Und noch  dazu kommt, dass sie keinen Pfennig bekommen haben. Das ist einer der Gründe des Leidens der Bevölkerung unter der FRCI.  Fallen gelassen von ihren einstigen „Arbeitgebern“ und weit weg von ihrer Heimat, haben sie ihre einzige Chance darin gesehen, die Bevölkerung zu überfallen, zu enteignen, mit Geld zu erpressen u.s.w. Da sie nicht zimperlich vorgegangen sind, sind viele Menschen durch sie getötet worden. Diese Situation hat die Regierung dazu veranlasst ihnen ein Ultimatum zu stellen. Sie sollten verschwinden sonst würde man sie festnehmen. Sie werden also verjagt, anstatt dieses Geld zu bekommen, das man ihnen versprochen hat. Eine Militärpolizei würde extra gegründet um sie zu vertreiben. Seitdem herrscht ein „Krieg“ zwischen den ehemaligen Verbündeten. Deswegen besteht die Möglichkeit, dass die FRCI auch an diesen diversen Attacken beteiligt sind.
Eine bisher unbekannte Gruppe  hat sich auch zu den Attacken bekannt. Sie haben ein Video zu verschiedenen Zeitungen und Internetseiten geschickt. Sie  nennen sich „“Révolution Populaire Ivoirienne“ „ivorische Volksrevolution “  Sie bekennen sich zu den verschieden Attacken, und erklären als Ziel Alassane Ouattaras Sturz.
Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass ehemalige Mitglieder der früheren Armee FDS(3)  an den Angriffen beteiligt sind. Seit der Machtübernahme von Alassane Ouattara wurden die ehemaligen Militär, Polizisten, Gandarme, die  Seestreitkraft etc.. entwaffnet. Die Regierung vertraut ihnen nicht, weil sie einst an der Seite von Laurent Gbagbo gegen sie gekämpft haben.Viele sind deswegen im Gefängnis gelandet, während ein anderer Teil davon  im Exil lebt, um einer Gefangenschaft zu entkommen. Den, die noch geblieben sind, wurden die Waffen abgenommen, und sie müssen unter der Führung der FRCI, die eigentliche keine Ausbildung haben, arbeiten .
Ein Zusammenkommen der verschiedenen Gruppen: FRCI, ehemalige FDS, Milizsoldaten etc… ist auch denkbar, da alle das gleiche Ziel haben, nämlich Alassane Ouattara zu stürzen. Sie konnten sich zusammen getan haben, um diese Angriffe zu organisieren
Im Moment tappen alle im Dunkeln, was die Identität der Angreifer angeht.

Also, wer auch geglaubt hatte, dass mit dem Sturz von Laurent Gbagbo und dem Machtwechsel Ruhe in die Elfenbeinküste kehren würde, hat seit den letzten Wochen seine Illusionen verloren.  Den es gibt fast keinen Tag, ohne dass irgendwo im Land eine Attacke  gemeldet wird, und die Spannung wächst jeden Tag mehr.

(1) Yopougon ist das größte Viertel von Abidjan, die wirtschaftliche Hauptstadt und die größte Stadt der Elfenbeinküste.

(2)  FPI Front Populaire Ivoirien ist die Partei von Laurent Gbagbo

(3) FDS  Forces de Défense et de Sécurité : waren die reguläre Armee vor Alassane Ouattara Machtübernahme