Tag-Archiv | FESCI

Vorlesung unter freiem Himmel

Studenten während einer Vorlesung an der Universität F. Houphouet Boigny in Abidjan

Studenten während einer Vorlesung an der Universität F. Houphouet Boigny in Abidjan

Seit dem Machtwechsel in der Elfenbeinküste wusste ich, dass es meinem Land schlecht ging, aber diese Bilder von Studenten unter freiem Himmel haben mich wirklich getroffen.

Die Liste der Verbrechen der „demokratischen“ Regierung in Abidjan ist lang, aber das man nicht nur das Geld veruntreut, sondern die Situation der Studenten verschlimmert hat, macht mich traurig und ohnmächtig. In April 2011, sofort nach dem Machtwechsel, wurden die Universitäten geschlossen. Der Vorwand war schnell gefunden: man wollte sie renovieren. Alte Gebäude instandsetzen und neue bauen. In Wirklichkeit wollte man die Studenten los werden. Die Studierendenschaft in der Elfenbeinküste besitzt eine Macht wie keine andere Gruppe oder Gewerkschaft und die Studenten sind in der Mehrheit immer Gbagbos Anhänger gewesen (auch bevor er an die Macht kam). Also, wollte die Regierung von Alassane Ouattara sich nicht so früh nach der Machtergreifung mit ihnen anlegen. Alle Regierungen, die sich mit ihnen  angelegt haben, hatten es nicht leicht.
Das wusste auch der damalige Premierminister Soro Guillaume, der selbst Leiter der FESCI (1) — der bedeutendeste Studentische Verband der Elfenbeinküste — war. Also wurden die Studenten nach Hause geschickt, Wohnheime und Hörsäle geschlossen. Es wurde angekündigt, dass 60 Milliarden CFA Francs (ungefähr 92 Millionen Euro) für die Renovierung der Uni zur Vefügung gestellt worden wären. Dann wurden die Gebäude, die von der vorherigen Regierung angefangen waren, fertig gebaut und die anderen gestrichen, sonst nichts!!  Noch dazu,  wurde ein Zaun um die Universität in Abidjan gebaut. Mehr als einundhalb Jahre blieben die Studenten zu Hause, während einige ihre Wohnheime von der FRCI bewohnt, und die anderen von ihnen geplündert wurden. Die besagte Instandsetzung fand nur schleppend, und an manchen Stellen gar nicht statt. Inszwischen wurde die Summen  auf 175 Milliards CFA Francs (mehr als 267 Millionen Euro) erhöht.
Am 3. September 2012 wurde dann die Uni mit Pauken und Trompeten offizielle wiedereröffnet und umbennannt. Aber es passierte zuerst nichts, da nichts fertig geworden war. Seit einigen Wochen haben dann die Vorlesungen wirklich angefangen, aber unter welchen Bedingungen!!! Einige Vorlesungen müssen draußen statt finden. An manchen Stellen haben die Studenten keine Toiletten, und Mann und Frau müssen sich im Gebüsch erleichtern.
Die Eltern, die genug Geld haben, haben ihre Kinder schon längst ins Ausland geschickt. Meistens  kommen Europa oder Amerika in Frage, für diejenigen, die es sich leisten können,  sonst sind sie in den benachbarten Länder wie Ghana gegangen.
Obwohl die Anmelde-gebühren verfünfacht worden sind, haben die Studenten, die geblieben sind, kaum Hörsäle, keine Wohnheime und Mensen zur Verfügung. Dazu Kommt das mehrere Jahrgänge — wegen der Schließung der Uni — sich die Hörsäle teilen müssen.

Ich frage mich was aus dieser Jugend wird, und sie tun mir wirklich leid.

(1) Fédération scolaire et estudiantine de Côte d´Ivoire