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Zoff um den Tod des Journalisten Oué Désiré

02.12.13

Désiré Oué

Désiré Oué

Am Donnerstag den 14.11.13 wurde der Journalist Désiré Oué vor seinem Haus in Abidjan erschossen. Die Umstände seines Todes sind bisher unbekannt und man weiß man wenig über die Täter oder deren Hintermänner.

Nachdem die Nachricht seines Todes sich im Netz verbreitet hatte, schrieb le Mentor, eine Internetseite der RDR (Partei von Alassane Ouattara), dass Oué ein Milizsoldat von Laurent Gbagbo gewesen wäre und, dass seit langem nach ihm gefahndet wurde. Man hätte ihn am Donnerstag 14.11. endlich gefunden. Laut le Mentor hatte Oué als erster auf die FRCI geschossen, die hätten nur zurückgeschossen und ihn dabei tödlich getroffen. Nachdem diese Version einen Aufschrei der Empörung in den oppositionellen Zeitungen und im Internet hervorgerufen hatte, kam eine andere Version, diesmal von der Regierung. Drei Tage nach Oués Tod erklärte die Ministerin für Kommunikation Affoussiata Bamba-Lamine, über BBC und RFI, dass Oué bei einem Raubüberfall erschossen worden sei. Aber dann wurde am Montag 18.11 ein anderer Journalisten– Dieusmonde Tadé von der Zeitung Nouveau Réveil—von Unbekannten in Abidjan entführt, und später auf der Autobahn, 60 Kilometer von Abidjan entfernt frei gelassen. Nach dieser Entführung kam ein Kommunique des Kommunikationsministeriums, indem die Ministerin Affoussiata Bamba-Lamine diesmal alle Journalisten ermahnte das Ergebnis der Untersuchung abzuwarten, die die Hintergründe des Todes von Oué klären sollte. Mittlerweile war ein anderer Streit vom Zaun gebrochen. Denn, nach der Intervention der Ministerin hatte Le Mentor den Artikel umgeändert und die Zeilen, die erklärten, dass Oué als erster geschossen hätte verschwinden lassen. Die Zeitung La Voie (von der FPI), die auf diese beiden unterschiedlichen Artikel aufmerksam gemacht hatte, wurde von dem CNP¹ mit einer Sperre bedroht. Laut dem CNP¹ hätte dieser erste Artikel, der von der Homepage schon verschwunden war, nie existiert und wäre von La Voie erfunden worden. Angesichts dieser Drohung schalteten sich einige andere oppositionelle Zeitungen und Homepages ein und veröffentlichten die beiden Artikel von Le Mentor. Aufgrund dessen wurde vom CNP keine Sanktion mehr gegen La Voie verübt.
Oué wurde am 23.11 in Abidjan beigesetzt. Mittlerweile hat der Teil seiner Familie, der in Frankreich lebt, die Regierung aufgefordert eine Untersuchung der Umstände seines Todes aufzunehmen. Laut der Familie hat die Polizei sich nicht mal die Mühe gemacht die Familie zu befragen, den Tatort zu untersuchen oder eine Obduktion durchzuführen.
Dieser Mord wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ungeklärt bleiben.

 

 

 

1- Der CNP :Conseil national de la Presse (National Rat der Presse)

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Racheakt oder Einschüchterung?

Sitz der Zeitung „Le Temps“ nach dem Überfall

Am Samstag den 18. August 2012 wurde der vorübergehende Sitz der FPI (Front Populaire Ivoirien) Partei angegriffen, ein Teil davon angezündet und drei Menschen verletzt.
Seit einigen Zeiten ist die Elfenbeinküste Ziel von Angriffen, die Militärlagern gelten. Viele Menschen sind deshalb verängstigt, da keiner weißt wer hinter diesen Angriffen steckt.
In diesem Klima der Angst ist am Samstag den 18.August, der Sitz der Partei von Laurent Gbagbo angegriffen worden. Ein Auto, das davor stand wurde angezündet genauso wie einer der Räume. Die Angreifer sind an Bord eines kleinen Buses angekommen, haben den Wachmann zusammengeschlagen, so dass er in das Gebäude hinein fliehen  musste, um am Leben zu bleiben. Die Angreifer sind ihm dann gefolgt und haben alle auf dem Weg dahin zusammen geschlagen. Die Räume wurden zerstört, die Dokumenten auf den Boden geworfen, die Computer mitgenommen und die anderen Geräte wie z.B. die Kopiergeräte zerschlagen. Nachdem sie alles kaputt gemacht hatten, haben sie versucht das Gebäude in Brand zu stecken. Das ist ihnen nur in einem Raum gelungen. Während sie alles zerstörten sind die Menschen auch von ihnen angegriffen und zusammen geschlagen worden. Die, die weg laufen konnten haben es getan, während andere sich einsperrten um zu entkommen. Das Ganze endete mit 3 Verletzten und ein komplett durcheinander gebrachtes und zum Teil zerstörtes Gebäude.
Man könnte glauben, dass das alles war für diesen Tag, aber weit gefehlt. In der Nacht zum Sonntag wurde der Sitz der Zeitung „Le Temps“, die der FPI nahe steht, von Unbekannten überfallen und komplett zerstört. Diese Zeitung war ohnehin seit einigen Wochen gesperrt.  „Le Temps“ wurde für zwanzig (20) Ausgaben vom CNP (1) gesperrt, weil sie einen Artikel herausbrachte, den der CNP „beleidigend, boshaft, zu Revolte und zum Aufruhr aufrufend“ fand und dazu solle er „ die Ehrbarkeit des Präsidenten in Frage stellten.“ Dem Journalist der den Artikel geschrieben hatte, wurde das Schreiben für ein Monat verboten
Also sind die Zeitung „Le Temps“ und die jetzige Regierung keine Freunde. Bei dem Überfall wurde das Computermaterial mitgenommen bevor drei Büros in Brand gesteckt wurden.
Die Verantwortlich der Zeitung sind überzeugt, dass die Angreifer in der Reihe der Anhänger des RDR (Partei von Alassane Dramane Ouattara) zu finden sind.“ Die Untergrabung der Pressefreiheit soll aufhören“ so Herr Gbané, einer der Leiter von „Le Temps“.
Seit der Machtübernahme von Alassane Ouattara sind die Journalisten immer wieder Ziel von Angriffen.

(1) CNP Conseil National de la Presse

Pressefreiheit ivorische Fasson

Wie oft wird Angela Merkel spöttisch „Mutti“ oder „Angie“ in den verschiedenen Zeitungen oder Berichten genannt? Das kann man wirklich nicht mehr zählen oder? Aber ich habe nie gehört, dass sie deswegen Journalisten anklagen oder noch hinter Gitter bringen wollte.

So nicht in meinem Heimatland wo wir seit dem 11. Avril 2011  mit einer „richtigen“ Demokratie zu tun haben. Für diejenigen die es noch nicht wissen, es war der Tag des Sturzes und der Festnahme von Laurent Gbagbo der „schlimmste Diktator unter der Sonne“ (der Ausdruck ist von mir) (1).
Eigentlich sollte man meinen, dass  alles jetzt gut läuft, und die Pressefreiheit garantiert ist –gehört auch doch zu einer Demokratie oder? Aber wie kommt es dann, dass die Journalisten in der Elfenbeinküste noch nie so verfolgt waren wie heute? Was nicht der Fall unter dem „Diktator “ Laurent Gbagbo war, der sogar ein Gesetz zu  ihrem Schutz erlassen hatte, findet jetzt unter dem „Demokrat“ Alassane Ouattara statt.
Der Präsident der Elfenbeinküste ist „heilig“, sogar mehr als der Papst — den darf man noch in der Elfenbeinküste kritisieren —  so nicht Alassane Ouattara. Deswegen werden immer wieder Zeitungen oder Zeitschriften (natürlich oppositionelle) für mehrere Ausgaben gesperrt; Journalisten abgemahnt usw…, wenn sie es wagen sich an sein Image zu attackieren.
Verbote, Ausgaben-Sperrung (von Zeitungen), Anzeigen, Einschüchterung gehören mittlerweile zum Alltag des Journalismus, der sich der aktuellen Regierung nicht unterwerfen will.
Ständig werden neue Mitteilungen veröffentlicht um sie einzuschüchtern. Der CNP, „Conseil national de la Presse“ (National Rat der Presse) dessen Aufgabe, die Regulierung der Presse ist, hat sich in ein Organ der Unterdrückung umgewandelt.
Ihr letzter Geistesblitz sorgte für Furore im Netz, nämlich die letzte Mitteilung von Raphael Lakpé der Leiter des CNP: darin wird es verboten den Vornamen „Dramane“ des Präsidenten zu  benutzen, weil es angeblich nicht sein Vorname sei, sondern der seines Vaters. Zur Erinnerung: bis zum 15 Juni 2012 –Tag der Veröffentlichung dieses Kommuniqués — war sein offizieller Name Alassane Dramane Ouattara, abgekürzt ADO. Seine Anhänger haben sogar diese Abkürzung ADO zu „Argent Diamant Or“ (übersetzt: Silber Diamant Gold) umgeändert, da der Mann milliardenschwer sein soll.
Ferner wurde die Verwendung des zweiten Vornamen „Alassane“ ohne Nachname, auch in diesem Kommuniqué verboten. Darin hieß es, es sei ungehörig und respektlos den Vornamen des Präsidenten ohne Beifügung des Nachnamen zu benutzen, deswegen würden diejenigen die es tun,sich der Gefahr einer disziplinarischen Sanktion zur Kassieren aussetzen.
Dass einer in der Vergangenheit so seriöser Rat sich dazu hinreißt eine solche Meldung zu veröffentlichen, sagt viel über die Art der Macht, die momentan das sagen in der Elfenbeinküste hat.

Der Wirbel im Net (es geht nur dort) hat nicht lange auf sich warten lassen, um die Sache ins lächerliche zu ziehen.  Schade nur, dass „Reporter ohne Grenzen“ oder die gleichen über die Lage der Journalisten – ein paar sind übrigens im Gefängnis – nichts sagt und im Fall der Elfenbeinküste seit dem Regierungswechsel verstummt ist.

(1) Ironisch gemeint ( nur für diejenigen, die es nicht gemerkt hätten)