Tag-Archiv | Charles Blé Goudé

Charles Blé Goudé wie Laurent Gbagbo?

Was im Moment beim IStGH (Internationaler Strafgerichtshof) passiert kann ihn nur tiefer in der Achtung der Bewohner des afrikanischen Kontinents sinken lassen.

Am 30. April, bei dem zweiten Erscheinen von Charles Blé Goudé vor dem IStGH, wurde vom stellvertretenden Staatsanwalt Eric MacDonald erklärt, dass sie keine Beweise gegen ihn hätten. Laut MacDonald hatte die Staatsanwaltschaft seine Überstellung nicht erwartet und wäre mit dem Fall Gbagbo beschäftigt gewesen. Er sagt sogar Blé Goudés Ankunft in Den Haag wäre wie „ein Blitz aus heiterem Himmel“ [sic] gewesen. Aus diesem Grund hat die Richterin, Sylvia de Gurmendi, der Staatsanwaltschaft  bis zum 6. Juni Zeit gegeben, um Beweise vorzubringen.
Seit Dezember 2011 liegt ein Haftbefehl gegen Charles Blé Goudé vor und seit dieser Zeit hat der IStGH es nicht geschafft den kleinsten Beweis gegen ihn vorzubringen.
Blé Goudé ist nicht der einzige in dieser Lage. Ähnlich geht es seinem Mentor Laurent Gbagbo. Seit mehr als zwei Jahren Gefangenschaft in Den Haag, hat der IStGH noch nicht geschafft eine Entscheidung zu treffen, ob Anklage gegen ihn erhoben werden soll oder nicht. Fatou Bensouda, die Chef Anklägerin hat sich in seinem Fall mehr als blamiert. Sie hat bei diesem Fall mehrere tausende Seiten vorgelegt. Es wurde gemunkelt, dass sie dadurch gehofft hatte, die Verteidigung vor dem Dokumentberg entweder aufgeben oder den Überblick verlieren würde. Aber nichts von dem ist geschehen: Gbagbos Anwaltsteam hat eine Verlängerung der Bearbeitungszeit beantragt, sich Zeit genommen und sogar extra Hilfe in Anspruch genommen, um die Dokumente zu überprüfen. Dadurch ist es ans Licht gekommen, dass einige der Beweise, die die Staatsanwaltschaft vorgebracht hat fehlerhaft waren oder Ereignisse beinhalten, die gar nicht in der Elfenbeinküste stattgefunden haben. Beispielhaft  wurden Bilder und Videos aus Kenia vorgelegt, als seien sie von der Elfenbeinküste.
Am Ende waren die Beweise trotz der großen Menge so dürftig, dass das Gericht gar nichts damit anfangen konnte, und genauso wie bei Charles Blé Goudé hatte die Staatanwaltschaft Zeit bekommen (bis Ende November 2013) um neue Beweise vorzubringen. Das ist bis heute Bensouda und ihrem Team noch nicht gelungen. Wegen diesem Mangel an Beweisen hat Gbagbos Anwalt Maître Emmanuel Altit mehrmals eine vorläufige Haftentlassung für seinen Mandanten, bis es Beweise gegen ihn gefunden werden, beantragt. Das Gericht hat es jedoch stets abgewiesen. Es kursiert das Gerücht und wurde von mehreren Zeitungen und Blog übernommen, dass ein Lobby ranghoher französischer Politiker und besonders Laurent Fabius sich gegen eine Freilassung von Gbagbos einsetzen würden. Als normaler Bürger ist es schwer zu wissen, ob diese Aussage stimmt oder nicht, doch eine Sache ist hingegen sicher: Die Regierung in Abidjan hat sehr große Angst vor einer eventuellen Freilassung von Laurent Gbagbo und tut alles  Mögliche um es zu verhindern. Seit seiner Machtübernahme hat es Alassane Ouattara noch nicht geschafft die Zustimmung der ganzen Bevölkerung für sich zu gewinnen. Einen Teil erkennt ihn bis jetzt nicht mal als rechtmäßig gewählten Präsidenten an. Der Versuch seine Macht durch brutale Gewalt zu befestigen hat nicht viel gebracht. Man hat ihn aus Angst nicht offensichtlich bekämpft, dafür im Stillen abgelehnt. Er hat zwar genug Anhänger doch er wird von einem großen Teil der Bevölkerung verhasst.
Eine Freilassung von Laurent Gbagbo würde seine schon wackelige Macht nur zusammenbrechen lassen. Da er die Unterstützung von der westlichen Mächte wie USA und Frankreich hat, versuchen diese ihm soviel wie möglich zu helfen: Druck auf den IStGH auszuüben gehört anscheinend dazu. Aufgrund dieser Unterstützung, die während der Präsidentschaftswahl sehr offensichtlich war, wurde er als „Kandidat vom Ausland“ genannt. Bisher konnte er diesen Spitzname nicht ablegen, zudem während der Kämpfe in 2011 die UNO und Frankreich Partei  für ihn ergriffen hatten und an der Seite seiner „Armee“ gekämpft hatten.
Für viele neutrale Beobachter steht die Glaubwürdigkeit des IStGH bei diesen beiden Verfahren auf dem Prüfstand. Für das kenianische Volk und für die Anhänger von laurent Gbagbo hingegen ist die Voreingenommenheit dieses Gericht längst klar.

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Charles Blé Goudé in den Händen der Regierung in Abidjan

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Charles Blé Goudé in Handschellen

Am 17. Januar platze die Nachricht (für die Opposition) wie eine Bombe: Charles Blé Goudé war in Ghana verhaftet worden. Zuerst war es überhaupt nicht sicher, ob diese Nachricht stimmte, da die Regierung in Abidjan in der Vergangenheit ein paar Mal die Festnahme von Gbagbos nahestehenden  Personen offiziell bekannt gegeben hatte, bevor die Nachricht sich als falsch erwies. Dann platze einige Stunden später die zweite Bombe: Blé Goudé war an die Elfenbeinküste ausgeliefert worden.
Wer die jetzige Regierung der Elfenbeinküste und seines allmächtigen Innenministers Hamed Bakayoko kennt, hatte alle Gründe sich um Blé Goudé zu sorgen. Denn in der Vergangenheit waren die Ausgelieferten (oder die sogar manchmal Entführten) Gbagbos nahe Gefangene, nicht zimperlicht behandelt worden. Einige wurden halbnackt im Fernsehen präsentiert, während die anderen ein Geständnis vor laufenden Kameras und somit vor der ganzen Nation lesen mussten, egal ob dieses Geständnis — wie im Fall von Lida  Kouassi¹  — sich später als falsch erwies.
Im Fall Blé Goudé aber, hielten sich sowohl die Regierung, als auch Hamed Bakayoko die ersten Tage zurück. Es herrschte eine totale Nachrichtensperre, was die Gerüchteküche zum brodeln brachte. Dann veröffentlichte Touré Moussa Zéguen, ein ehemaliger Weggefährte von Blé Goudé ein Papier, dass in mehreren oppositionnellen Homepagen und Blogs zu lesen war. Darin bezichtigte er Blé Goudé des Verrates. Laut ihm, hätte der letztere einen Deal mit der Regierung von Abidjan geschlossen und wäre nicht verhaftet und ausgeliefert worden, sondern wäre freiwillig zurück in die Elfenbeinküste gekommen, und seine Verhaftung diene nur dazu, seine Anhänger und Unterstützer zu überlisten.
Daraus entbrannte im Net und in den Zeitungen eine Diskussion, die diejenigen, die diese Meinung teilten und die Anderen, die anderer  Ansicht waren, opponierte. Die Pro- Blé Goudé versuchten, ihre Ansichten zu präsentieren und die Umstände seiner Entführung in Ghana, wo er im Exile lebte zu schildern, während die Gegner das Gegenteil versuchten.
Nach fast zwei Wochen  „schmutzige Wäsche waschens“ auf dem öffentlichen Platz, kamen sich Unterztützer und Gegner von Blé Goudé näher, und Touré Moussa  Zéguen, der diese Diskussion angefangen hatte, erkannte seine Fehler (wieder in den verschiedenen Blogs).
Inzwischen war Blé Goudé im Fernsehen präsentiert worden. Es wurde in einigen Zeitungen und im Net, von zwei Treffen zwischen ihm und dem Präsidenten Alassane Ouattara berichtet (wenn auch nicht offiziell bestätigt). Dieser hätte versucht Blé Goudé für sich zu gewinnen, damit  der ihm bei der Eroberung  der Herzen aller Ivorer helfe. Was man wissen sollte: Seit seiner Machtergreifung versucht Alassane Ouattara ohne Erfolg das ganze Volk hinter sich zu versammeln. Er kommt nicht bei seinen Gegnern an, zumal Gbagbos  Anhänger von seiner Regierung noch verfolgt werden. Er steht einer Verfeindung eines Teils des Volkes gegenüber, die auch wenn sie aus Angst nicht offensichtlich gezeigt wird, verbreitet ist.
Da aber Blé Goudé während dieser Gespräche sich geweigert hätte, einen Appell zur Versöhnung an der Bevölkerung zu machen, solange seine Mitstreiter noch im Gefängnis seien, wurde er dem Richter vorgeführt.
Mittlerweile haben sich seine Anwälte gemeldet, und die Umstände seiner Inhaftierung werden allmählich bekannt. Durch die Isolierung hätte ihr Mandant das Zeitgefühlt verloren, so die Anwälte. Ihm wäre außerdem 10 Tage lang nicht erlaubt worden sich zu duschen, die Zähne zu putzen oder die Kleidung zu wechseln. Er befinde sich in einem leeren Raum, wo er gezwungen worden wäre auf Pappkarton zu schlafen, die als einzigste in diesem Raum befinden. Von Besuch seiner Familienglieder wäre auch keine Rede. Noch zum Fall Blé Goudé, hat der Innenminister Hamed Bakayoko eine neue juristische Bezeichnung erfunden (es ist nicht das erste Mal!): der „geschützte Wohnsitz“. laut Hamed Bakayoko wäre Blé Goudé nicht unter Hausarrest,  sondern würde  er als „besonderer Gefangener“ einen „geschützten Wohnsitz“ beziehen.
In Der Elfenbeinküste genießt Blé Goudé — hauptsächlich unter den jungen Leute und Gagbos Anhänger — ein sehr hohes Ansehen während er, für Frankreich und die jetzige Regierung in Abidjan, einen Feind darstellt. Seit 2005 ist er sogar von einem Reiseverbot betroffen (durch UNO verhängt).
Mit Blé Goudé ist der Regierung von Abidjan ein großer Coup gelungen. Blé Goudé, der Minister  der letzen Gbagos Regierung war, ist einer der beliebtesten Mitstreiter Gbagbos. Er schafft es wie keiner die Bevölkerung, durch seine Reden, hinter sich zu bringen und zu mobilisieren. Kein Wunder dann, dass Alassane Ouattara versucht hat, ihn für sich zu gewinnen.

 

1- Lida Kouassi war Verteidigungsminister in Laurent gbagbos Regierung. Er wurde im Juni 2012 in Togo festgenommen, wo er im Exil lebte. Er gestand ein Putschversuch im Fernsehen. Später stellte sich heraus, dass der angebliche  Zeuge des Putschversuchs, alles wegen der Belohnung erfunden hatte.