Die geschassten sind nicht immer die schlimmsten

Dieser Titel fasst eigentlich zusammen, was derzeit in der Elfenbeinküste vorgeht. Solange Laurent Gbagbo an der Macht war, wurde sehr oft über Menschenrechtsverletzungen berichtet, oder unschöne Sachen über das Land erzählt. Man hatte das Gefühl es gäbe außer Laurent Gbagbo keinen schlimmen Menschen auf diesem Kontinent, und alle anderen Präsidenten neben ihm wären Engel.
Aber seit Laurent Gbagbo gestürzt ist, sind die Medien verstummt und diese Berichte verschwunden. Keiner spricht mehr von der Elfenbeinküste, als ob dort alles jetzt wieder in Ordnung wäre. Als ob die Situation sich mit Gbagbos Abgang verbessert hätte.
Leider ist es nicht so, was mich für das Land sehr traurig macht. Man  hat eher das Gefühl wir alle sitzen (in der Elfenbeinküste) auf einem Pulverfass, das nur auf eine Gelegenheit zur Explosion wartet. Die „kleinen Feuergefechte“ die hin und wieder stattfinden – vor allem im Westen des Landes – sind nicht da, um uns unrecht zu geben.
Im Land ist viel Wut und Hass angestaut. Leider anstatt die Versöhnung mit den ehemaligen Gegnern zu suchen, um das Land zur Ruhe zu bringen, versucht Alassane Ouattara seine einstigen Gegner auszuschalten. Die Opposition wird, wenn nötig durch Gewalt geknebelt. Die Liste der Menschen die ins Gefängnis gesteckt werden, wird jeden Tag länger: seien es ehemalige Armeeangehörige, Polizisten, Gendarmen oder Zivilisten. Die Opposition spricht von mehr als 1500 Armeeangehörige die im Moment im Gefängnis sind. Ihre Schuld? Auf der Seite der ehemaligen Regierung gekämpft zu haben. Viele Gefährten von Laurent Gbagbo, darunter seine Frau Simone Gbagbo und sein Sohn Michel Gbagbo und  Freunde wie Aboudramane Sangaré oder Affi N´Guessan, Genevieve Bro Grebe usw.  sind in den Gefängnissen im Norden des Landes verteilt: Boundiali, Korhogo, Odienné, Bouna, Katiola usw… Ihre Zahl, die oft in den oppositionellen Homepages genannt wird, ist über 500 Leute. Nicht zu vergessen sind auch die kleinen Leute, die keiner kennt, und die aus diesem Grund nicht zahlenmäßig erfasst werden konnten.
Während man unter Laurent Gbagbo die Freiheit hatte seine Meinung zu außern, ist die Bevölkerung unter der jetzigen Regierung aus Angst vor Repressalien verstummt. Sogar vor Bloggern wird kein Halt gemacht. Sie werden hin und wieder für ein paar Tage oder ein paar Stunden verhaftet und in Gewahrsam genommen. Die Opposition wird auch daran gehindert ihre Meinung kund zu tun. Ihre Meetings werden unterbunden, indem man die FRCI gegen sie einsetzt. Und wenn die Meetings „offiziell“ zugelassen sind – wie beim ersten Meeting der FPI  in Januar 2012 —  werden  sie auseinander gebracht, indem die Regierung ihre Miliz auf sie hetzt. Bei diesem Meeting  im Januar 2012 gab es mehrere Tote und Verletzte.
Wirtschaftlich geht es dem Land auch nicht besser. Alassane Ouattara hat sich zwar als Ziel gesetzt die Elfenbeinküste als Schwellenland bis zum Jahr 2020 zu  positionieren, aber es sieht nicht gut aus, obwohl dies für die Bevölkerung nicht schlecht wäre.
Auch der Arbeitsmarkt ist nicht frei von Spannungen. Laurent Gbagbo hatte trotz einem geteilten Land die Gehälter angehoben und immer rechtszeitig bezahlt. Alassane Ouattara hat einige Zuschüsse (z.B. fürs Wohnen) sofort abgeschafft. Vor einigen Wochen sind Lehrer und medizinisches Personal in den Streik getreten. Da sie nicht in der Lage war, diese Streiks zu verbieten, hat die Regierung einen Weg gefunden, um sie zu unterbinden, indem sie ihnen die FRCI schickte. Einige Leute wurden während des Streiks verhaftet und ins Gefängnis gesteckt, ohne großen Erfolg, da die anderen weitergemacht haben. Aber seit einigen Tagen hat die Regierung eine andere Methode gewählt um neue Streiks vorzubeugen. Ein Teil der Gehälter aller Lehrer, die an den letzten Streiks teilgenommen haben, wird als Strafe zurückbehalten, obwohl dies keine Rechtsgrundlage hat.
Mit den Finanzen des Landes geht es auch bergab. Unter der vorherigen Regierung war die Elfenbeinküste in der Lage ihre Schulden, trotz einer Wirtschaft die langsam lief –wegen eines geteilten Landes — zurückzuzahlen. Der neue Präsident hingegen hat wieder angefangen das Land neu zu verschulden.
Alles das sieht wie eine Hymne zu Gbagbos Ehre, es ist aber leider die Realität, die die Ivorer momentan erleben, ohne dass Jemand sich für sie interessiert. Alles wird unter den Teppich gekehrt, und getan als ob alles sehr gut laufen würde. Auf keinem Sektor läuft es, wie es sein sollte und die Menschen leiden. Aber wen interessiert das schon, zumal die Gönner von Alassane Ouattara mit eigenen Problemen zu kämpfen haben.

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