„La mort subite“ oder der plötzliche Tod

Als ich ich die Elfenbeinküste vor mehr als einem Jahrzehnt verließ, kannte ich diesen Begriff (im  Zusammenhang mit dem Essen) nicht. La mort subite, also der „plötzliche Tod“ ist die Bezeichnung, die die Ivorer einer einzigen Mahlzeit am Tag geben (ohne Möglichkeit eine andere zu sich zu nehmen).

Die Ivorer haben sich angewöhnt sehr ernsten Themen den Stachel weg zu nehmen, indem sie sie zu Witz machen. Z.B AIDS im Französischen SIDA, wurde damals sofort in „Syndrome Inventé pour Décourager les Amoureux“ umbenannt: d.h. erfundene Syndrome um die Liebenden abzuschrecken. Die Bezeichnung „La mort subite“ geht in derselben Richtung. Leider ist die „mort subite“ fast alltäglich geworden. Viele schätzen sich sogar glücklich einmal am Tag  essen zu können.

Zahlreiche Menschen haben ihre Lebensgrundlagen durch Krieg und Regierungswechsel verloren, und damit ist die  Kaufkraft der Ivorer den Bach runter gegangen. Viele, die eine Arbeit hatten, haben sie nicht mehr.  Andere mussten in ihrer Flucht vor den Kämpfen alles hinter sich lassen, um überhaupt am Leben zu bleiben. Man konnte meinen, dass die Leute, die geflohen sind, jetzt  zurückgehen könnten, da die Kämpfe aufgehört haben, aber ihr Grund und Boden ist meistens von den Siegern besetzt worden. So haben sich die Menschen auf der Suche nach Sicherheit in den Städten, (vor allem in Abidjan) versammelt. Da sie kein Einkommen mehr haben macht ihnen das Leben nicht einfach, weil es etwas wie Harzt IV in der Elfenbeinküste nicht gibt. Familien, Freunde und Bekannte können vielleicht helfen solange sie nicht in derselben Lage sind, aber das ist alles. Der Staat fühlt sich nicht für sie verantwortlich. Die Lebensmittelspreise gehen sogar jeden Tag in die Höhe, so dass immer mehr Leute von diesem „plötzlichen Tod“ betroffen sind. In der Vergangenheit gab es mit Sicherheit Menschen, die nicht genug zu essen hatten, und deshalb gezwungen waren einmal  am Tag zu essen, aber es war nicht verbreitet, und ich persönlich kannte niemanden. Jetzt gibt es so viele wie nie zuvor und ich fürchte es wird immer mehr geben.
Jetzt sprechen die Ivorer nicht mehr von dem Warenkorb (le panier de la ménagère). In der Elfenbeinküste haben die Menschen diesen ökonomischen Begriff auch umgeändert. Sie sprachen, als die Hausfrau sich kaum was auf dem Markt kaufen konnte von den Tütchen (le sachet de la ménagère) anstatt vom Warenkorb, und da die Preise noch in die Höhe geschossen sind reden sie jetzt von löchrigen Tütchen (le sachet troué).

Wenn das Tütchen noch kaum Lebensmittel beinhalten konnte, was kann eines mit einem Loch oder sogar mit Löchern?

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