Massaker vor der Nase der UNO

Seit Samstagvormittag kursieren schreckliche Bilder vom Flüchtlingslager von Nahibly (West der Elfenbeinküste) im Internet und in den verschiedenen oppositionellen Zeitungen. Sie sind schwer zu ertragen, da die Menschen auf diesen Bildern auf barbarische Weise ermordet worden sind.

Nahibly ist ein Nachbarort von Duékoué, wo schon im Frühling 2011, 800 Menschen (offizielle Zahl)(1) ermordet worden waren. Damals war Laurent Gbagbo noch an der Macht, aber der Westen der Elfenbeinküste schon unter der Macht der FRCI (2) gefallen. Nach diesem Massaker, hatte sich niemand wirkliche Mühe gemacht, die Verantwortlichen zu nennen oder zu Rechenschaft zu ziehen. Alle waren damit beschäftigt Gbagbo von der Macht zu schassen, und ihm womöglich so viele Verbrechen in die Schuhe zu schieben. Obwohl Laurent Gbagbo damals eine internationale Untersuchung gefordert hatte, da er sich vehement wehrte die Schuld an dieses Massaker zu tragen, wurde er nicht erhört. Dieses Verbrechen  bleibt also bis heute ungesühnt. Anders war es nicht zu erwarten, da die Verantwortlichen bekannt sind: Nämlich die Dozo (3) und die Milizen von Alassane Ouattara, der jetzige Machthaber. Aber jeder –die NGO inbegriffen —  tut als ob sie nicht zu ermitteln wären.
Was war dann unter diesen Umständen zu erwarten, wenn nicht eine Wiederholung? In der Nacht von Freitag auf Samstag, war es soweit: Mehrere hunderte Menschen überfielen das Flüchtlingslager von Nahibly, töteten mehrere Leute auf brutalste Weise und zündeten das Lager an. Seitdem liefern sich UNO und die Regierung von Alassane Ouattara einen Zuständigkeitskrieg. Unter wessen Schutz standen diese Flüchtlinge? Keiner will die Verantwortung übernehmen und UNO und Ivorische Regierung schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu.
Fakt ist, dass das Flüchtlingslager von UNO Soldat (von Marokko) mit der Hilfe der FRCI bewacht war, aber die wurden scheinbar von der Menge der Angreifer erschreckt und ließen sie gewähren.
Das Flüchtlingslager wurde von Menschen, die ursprünglich vom Norden der Elfenbeinküste stammen angegriffen. Diese Angreifer wurden von nicht Ivorern (Leute die von Ländern wie Burkina Faso, Guinea usw.) unterstützt. Der Norden der Elfenbeinküste teilt viele Gemeinsamkeiten mit diesen Völkern, die teilweise jenseits der Grenzen zu finden sind. Außerdem teilen sie meistens dieselbe Religion: der Islam. Diese Gemeinsamkeiten machen sie zu Verbündeten.
Im Westen der Elfenbeinküste ist der Boden besonders fruchtbar, so dass viele Menschen ihre ursprüngliche Heimat verlassen haben, um dort Kaffee oder Kakao anzubauen. Seit dem Sturz von Laurent Gbagbo beobachtet man ein anderes Phänomen. Die ursprünglichen Bewohner dieser westlichen Region werden zugunsten der nordischen oder ausländichen Ankömmlingen durch Gewaltausübung enteignet; wenn sie nicht aus Angst um das eigene Leben schon geflohen sind. Diese Situation hat viele Menschen aus ihren Dörfern vertrieben, um Schutz in den Flüchtlingslagern zu finden. Nahibly war ein solches Lager. Über 5000 Menschen sollen dort  vor dem Angriff  präsent gewesen sein.
Der Ursprung dieses Angriffs  auf das Flüchtlingslager scheint auf eine Racheaktion zurückzuführen zu sein. Denn bevor das Lager attackiert worden ist, wurde das  bewohnte Viertel der Angreifer von Banditen überfallen. Mehrere Menschen wurden ausgeraubt und vier davon getötet. Überzeugt, dass die Täter des Überfalls im Flüchtlingslager zu finden waren, haben sich dann mehrere hunderte vom Norden und von den Nachbarländern stammenden Männern zusammen getan um das Lager zu überfallen, und anzuzünden. Den Angreifern wurden scheinbar von FRCI-Soldaten und Dozo geholfen.
Die Zahl der Toten ist noch nicht bekannt. Offiziell werden 13 Tote genannt, aber inoffiziell werden bis zu über 100 Tote in den verschiedenen Zeitungen erwähnt. Das Rote Kreuz wurde sogar daran gehindert die Toten zu holen, damit die Zahl im Dunkeln bleiben kann. Man vesucht die Zahl der Toten nach unten zu drücken.
Die Regierung hat mehr als 24 Stunden gebraucht um eine Stellungnahme abzugeben. Darin hieß es, dass das Lager angeblich ProGbagbo Milizsoldaten beherbergen würde. Und man hätte auch dort Waffen gefunden. Dann frage ich mich, wenn es so ist: wo war die Polizei? Hätte man diese Milizsoldaten nicht einfach verhaften können anstatt die  Bevölkerung, die nichts damit zu tun hatte, und die ohnehin schon alles verloren hat —außer ihr Leben– zu ermorden? Klar ist, dass  angesichts der Missbilligung einige ihrer Unterstützer aus westlichen Ländern, die Regierung schnell die Schuld von sich schieben und dieses zigste Massaker von sich weisen will.
Dazu gehört auch diese gegenseitige Schuldzuweisung mit der UNO. Wer möchte schon für sowas verantwortlich sein? Wer war für diese Menschen wirklich verantwortlich? Der Kampf für die Übernahme der Verantwortung geht weiter.
Was für ein Armutszeugnis!!

(1) Die offizielle Zahl ist oft anders als die Tatsächliche, die meistens höher ist.

(2) FRCI: jetztige Armee der Elfenbeinküste, die mono-regional ist. Sie stammen fast alle vom Norden und gehörten zur einstigen Rebellenarmee

(3) Dozo: eigentlich traditionelle Jäger von der nördlischen Region der Elfenbeinküste. Sie gehörten zur ehemaligen Rebellenarmee und sind jetzt einer Art Hilfkraft der FRCI.

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