Côte d´Ivoire¹, eine Demokratie?

Da die Kämpfe und Machtkämpfe aufgehört haben, ist die Elfenbeinküste aus der Medienlandschaft verschwunden. Der „Diktator“ Laurent Gbagbo ist gestürzt, die Demokratie ist „hergestellt“. Man braucht nicht mehr hinzuschauen oder darüber zu berichten, alles läuft wieder bestens. So sieht die allgemeine Meinung aus.

Dass es nicht der Fall ist, und alles nicht so gut läuft, wissen die wenigsten Leute: d.h., die Leute, die sich für dieses Land interessieren, die die dort Zuhause sind, oder diejeniegen die Familien und Freunde dort haben. Die Elfenbeinküste ist in der deutschen Medienlandschaft kaum präsent. Man hört nur bei Unruhen davon, oder wie im Dezember 2011 bei der Parlamentswahl, oder  noch im Rahmen des Afrika Cups. Hin und wieder hört man den Namen  dieses Landes im Zusammenhang mit Fußball sonst nichts… , bis zur der nächsten Unruhe.
Dass in der Elfenbeinküste ein Teil der Bevölkerung unterdrückt wird bleibt in den wichstigsten Nachrichtensendern unerwähnt. Dass der sogenannte „demokratische“, mit  Hilfe der UNO und Frankreich installierte Präsident Alassane Ouattara sein eigenes Volk knechtet, terrorisiert und brutal behandelt, wird tot geschwiegen. Nicht das ganze Volk leidet unter ihm und seiner Armee, sondern die Anhänger des vorherigen Präsident Laurent Gbagbo. Sie sind sozusagen Opfer seiner „Rache“.
Die ehemalige Armee der Elfenbeinküste wurde nach der Machtergreifung von Alassane Ouattara  aufgelöst, und die FRCI² die ehemaligen Rebellen haben jetzt diese Rolle übernommen. Leider ist die FRCI keine geschulte Armee, und es sind nicht selten Analphabeten– wenn nicht der größte Teil– in ihren Reihen zu finden. Diese fehlende Bildung ist zwar einer der Gründe ihrer Behandlung der Bevölkerung, die unter dieser „Armee“ leidet, aber nicht der einzige. Die Menschen haben fast keine Rechte mehr: sie werden eingeschüchtert, geschlagen, enteignet: die Liste könnte weitergeführt werden. In mehreren Regionen der Elfenbeinküste gab es schon einen Aufstand der Bevölkerung, die die FRCI nicht mehr auf ihrem Grund und Boden dulden wollte. Arrah, Dabou, Vavoua usw… Die Liste ist lang, aber jedes Mal wurde der Aufstand in den besagten Städten blutig niedergeschlagen, mit mehreren Toten als Ergebnis.
Die Elfenbeinküste kommt einfach nicht zur Ruhe. Die Leute schweigen zwar, aus Angst angegriffen oder gar getötet zu werden, dennoch brodelt es weiter. Die Leute leiden darunter, dass das Leben so teuer geworden ist, und zudem das Bildungssystem zusammengebrochen ist. Die Universitäten in Abidjan sind seit dem 18. April 2011 geschlossen. Eine Wiederöffnung ist höchst ungewiss. So sitzen  mehrere Generationen  von Abiturienten auf der Straße. Wie dieses Problem gelöst werden soll, ist noch nicht klar. Falls die Uni wirklich im Herbst 2012 wiedereröffnet wird, müsste man drei aufeinanderfolgende (2009/10, 2010/2011 2011/2012) Jahrgänge für das erste Uni-Jahr unterbringen. Wie die Regierung auf diese Problematik reagieren wird? Es gibt bislang keine Antwort auf diese Frage.
Das Gesundheitssystem ist  auch zusammengebrochen. Die neue „pro-Frankreich“ Regierung in Abidjan hatte die kostenfreie Behandlung laut angekündigt, aber es gibt fast keine Medikamente mehr in den Krankenhäusern, die teilweise während der Krise von der FRCI geplündert worden sind. Also geht das Sterben still und leise weiter. Die Ärzte und Krankenpfleger haben schon zwei Mal die Arbeit aus Protest niedergelegt, aus Solidarität, weil Kollegen von ihnen am Arbeitsplatz, im Krankenhaus von der FRCI angegriffen und niedergeschlagen worden waren.
Und als ob, das alles nicht genug wäre, muss ein großer Teil der Bevölkerung noch um sein Leben bangen. Im Visier Ouattaras und seiner Anhänger sind zuerst die einstigen Mitarbeiter von Laurent Gbagbo. Diejenigen, die nicht fliehen konnten, sind im Gefängnis. Seit mehr als einem Jahr wurde gegen die Mehrheit der Gefangenen keine Anklage erhoben. Sie wurden in den Norden zwangsdeportiert, in Städte wie Boundiali, Korhogo, Odienné und Bouna. Sehr oft müssen ihre Anwälte einen Kampf gegen die Behörden führen um ihre Mandanten überhaupt sehen zu dürfen. Sogar Laurent Gbagbos Sohn (Michel Gbgabo), der kein Amt in der Regierung hatte, und nur Professor an der Universität in Abidjan war, wurde verhaftet und befindet sich noch in Gewahrsam. Aber seit einigen Wochen, nachdem er ins Krankenhaus überwiesen wurde, hat man keine Nachrichten mehr über ihn übermittelt bekommen.
Gbagbos Anhänger, die Glück hatten und fliehen konnten, sind in den westafrikanischen Ländern verstreut. Sie haben zwar immer noch ihre Freiheit, aber ihr Vermögen wurde von der Regierung beschlagnahmt, was schon zu einigen Todesfälle von ehemaligen hohen Regierungsamtsträgern geführt hat, da sie kein Geld hatten um sich behandeln zu lassen. Die bekanntesten davon sind Bohoun Bouabre ehemaliger Finanzminister, Gomon Diagou Bürgermeister von Cocody, eines der vornehmsten Viertel von Abidjan.
Aber nicht nur Menschen, die ein Amt während Laurent Gbagbos Präsidentschaft bekleidet haben, sind geflohen. Einfache Anhänger mussten auch das Land verlassen aus Angst getötet zu werden. Ein großteil der Flüchtlinge hält sich entweder in Ghana oder in Liberia und einige wenige in Togo oder Benin auf. Aber Flüchtlinge im eigenen Land gibt es auch jede Menge. Es sind Leute die aus Angst ihre Dörfer und Städte verlassen haben. Sie trauen sich nicht zurückzukehren, da diese Orte unter der Macht von Alassane Ouattaras Milizen stehen oder von seiner „Armee“ besetzt sind. Die UNO hat zwar Kräfte im Land, aber das hat das Massaker im Westen des Landes, z.B. in der Stadt Duékoué, nicht verhindern können. Offiziell wird die Zahl von 800 Menschen angegeben, die bei den Massakern in Duékoué ums Leben gekommenn sind. Aber es sind wahrscheinlich mehr Tote. Dasselbe gilt für die gesamte Zahl der Opfer im Land. Die Rede ist immer von 3000 Todesopfern, aber diese Zahl wird von vielen Quellen für zu niedrig gehalten, zudem das Rote Kreuz bisher keine offizielle Zahl genannt hat, obwohl sie in der Lage wäre, eine Schätzung abzugeben
Die Kakao- und Kaffeeplantagenbesitzer haben es auch nicht leichter, obwohl die Elfenbeinküste zu den größten Produzenten gehört. Wenn man für das Kilo Kaffee und das Kilo Kakao ein bisschen mehr als zwei Euro unter Laurent Gabgbo verdiennen konnte, bekommt man jetzt nur noch ein paar Cent. Dazu kommt, dass die Lebensmittelpreise in die Höhe geschossen sind und trotz mehreren Versprechen vom zuständigen Minister, haben die Preise sich nicht geändert. Als ob das nicht genug wäre, sind mehrere Unternehmen während der Krise Pleite gegangen. Viele anderen mussten geschlossen werden. Es vergeht fast kein Monat ohne dass eine Massenentlassung irgendwo stattfindet, wobei einige entlassen wurden als Strafe dafür, dass sie Anhänger Laurent Gbagbos sind.

Diese „Demokratie“ die unter der französischen Bombardierung und der UNO- Bomben in der Elfenbeinküste installiert werden sollte, ist noch nicht vorhanden, und gar nicht auf dem Vormarsch. Die Lage hat sich eher verschlimmert. Ein großer Teil der Bevölkerung leidet Hilflos unter der Gleichgültigkeit derjenigen, die in Namen der „Demokratie“ das Land desorganisiert haben.

(1) Elfenbeinküste

(2) Forces Républicaines de Côte d´Ivoire

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